13.09.2011 - SPIEGEL-Titelthema: "Der Straßenkampf - Rüpel-Republik Deutschland"
In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL (Nr. 37 vom 12. September 2011) ist das Titelthema „Der Straßenkampf – Rüpel-Republik Deutschland“. Der Artikel selbst, der auf Seite 66 des Heftes beginnt, trägt dann den Titel „Das Blech des Stärkeren“. Es geht – wie man schon ahnen kann – um das Verhältnis Fahrrad- und Autofahrer im Straßenverkehr.
Zu Beginn des Artikels wird das von zahlreichen Autofahrern gern bemühte Bild des rüpelhaften Radlers gezeichnet, der sich an keine Verkehrsregeln hält. Auch das über ganzseitige Bild zeigt mit der Bildunterschrift „Berufsverkehr in Berlin“ einen Radfahrer auf der mittleren von drei stark befahrenen Fahrstreifen, der offensichtlich im Begriff ist, vor ein Taxi auf dem rechten Streifen einzuscheren.
Obwohl der Artikel in den ersten Absätzen nach einer Aggression von zwei Radlern untereinander zunächst von zwei Unfällen berichtet, bei denen Radler durch die Unachtsamkeit von Autofahrern verletzt wurden, wird bei der anschließenden Feststellung, dass auf unseren Straßen die Umgangsformen rauher werden, hervorgehoben, dass es die Gruppe der Radfahrer „besonders wild“ treibe: „Ampeln scheinen für viele von ihnen nicht zu existieren, Stoppschilder werden gern übersehen, Einbahnstraßen sind nur für die anderen da“.
Der Fahrradlenker habe, so die Autoren weiter, habe den Mercedesstern „als Symbol der eingebauten Vorfahrt“ abgelöst. Als Beispiel wird das Vordrängeln von Radlern an einer Ampel in Berlin, Unter den Linden, genannt.
Später führt der Artikel dann aus, dass das Fahrrad eine stetig steigende Bedeutung im Straßenverkehr habe und sich die Bandbreite der Fahrräder vergrößert hat. Auch dass hochwertige Fahrräder heute durchaus stärker als früher als Statussymbol gelten können, findet Erwähnung.
Obwohl mein Eindruck beim ersten Lesen des Artikels war, es finde hier eher ein Herumhacken auf den bösen Radlern statt, kommt der Artikel dann doch zu der Folgerung, dass die Verkehrspolitik in Deutschland vielerorts stark auf den Autoverkehr ausgerichtet sei und die Förderung eines guten Radverkehrsnetzes eher nebenrangig behandelt werde.
Wie das Fahrrad vor über 100 Jahren zunächst in England und später in ganz Europa ganzen Bevölkerungsschichten zu neuer Mobilität verhalf, wird kurz erwähnt, danach nimmt der Artikel Bezug auf einige Fahrradveranstaltungen, wie Großdemonstrationen oder der Frankfurter „Bike-Night“.
Aggressionen von Autofahrern gegenüber Radlern werden am Beispiel eines Autofahrers, der einen radelnden Schuljungen anpöbelte, recht kurz erwähnt, um dann auf das Verhältnis Radler – Fußgänger einzugehen, wo Bernd Irrgang, der Vorsitzende des Bundes der Fußgänger, zu Wort kommt, der sich selbstverständlich von den Radlern generell bedroht sieht.
Im letzten Drittel beschäftigt sich der Artikel dann mit der Raumverteilung auf den Straßen deutscher Großstädte und lässt auch das Phänomen der wechselnden Perspektive nicht außer Acht – nämlich, dass es durchaus menschlich ist, dass der Radler, der auf dem Weg zur Arbeit morgens über die rücksichtslosen Autofahrer schimpft, abends beim Großeinkauf im eigenen Wagen über das Verkehrshindernis „Fahrrad“ bruddelt. „Das Verkehrsmittel wechselt, aber die Perspektive bleibt – die anderen sind im Weg.“
Über verkehrsplanerische Fehler aus der Vergangenheit leitet der Artikel über zu Verbesserungsmöglichkeiten, die von Bürgerbewegungen vorgeschlagen werden – als Beispiel wird Nürnberg angeführt, wo der Oberbürgermeister mobile Bürgerversammlungen auf der Straße abhält. (Die Initiative „Fahrradfreundliches Kehl“ ist wohl doch noch zu klein und unbekannt, um im SPIEGEL Erwähnung zu finden :) ).
Der Schluss des Artikels widmet sich modernen Verkehrsplanungsansätzen, der Darstellung dessen, was bereits umgesetzt wurde und was noch möglich ist, und wie Computertechnik in Autos die Wahrnehmbarkeit der Fahrräder aus dem Auto heraus verbessern kann. Neben Echtzeitkamerasystemen wird auch berichtet, „BMW [würde] Radler und Passanten gern mit einem Transponder ausstatten, der Signale an Wagen in unmittelbarer Umgebung sendet“.
Soweit der Artikel. Meiner Meinung nach wird das Bild des radelnden Rüpels etwas zu stark gezeichnet. Dass es rücksichtslose Radfahrer gibt, steht außer Frage. Genauso wie unverschämte Autofahrer. Ich bezweifle jedoch stark, dass diese zahlenmäßig so stark vertreten sind. Ich könnte mir schon vorstellen, dass der prozentuale Anteil an Radfahrern, die konsequent Verkehrsregeln missachten, etwas höher liegt als der der Autofahrer – das Wissen darum, dass man mangels Kennzeichen ein recht geringes Risiko eingeht, für einen Verkehrsverstoß belangt zu werden, kann durchaus zur Regelübertretung verleiten. Ich frage mich manchmal auch, wieso ich morgens um halb sieben als einziges Fahrzeug an einer Kreuzung an der roten Ampel anhalte, anstatt die Kreuzung einfach zu überqueren. Und selbstverständlich ist es auch so, dass aus einer beliebigen Gruppe diejenigen am stärksten auffallen, die sich daneben benehmen. Aber deshalb sind „die Radler“ nicht generell Rowdys – genauso wenig wie „die Taxifahrer“ ihre Kunden betrügen und „die Frisöre“ und „die Floristen“ automatisch schwul sind.
Dass edle Fahrräder Statussymbole sein können, ist sicher richtig. Es ist wohl menschlich, die Leute in der Umgebung gerne etwas neidisch zu machen – und wenn eben eine halbe Abteilung in der Firma zur Arbeit radelt, geht das halt mit einer Rohloffschaltung besser als mit verchromten Türschwellern am heimischen Auto.
Dass in Großstädten die Sitten auf der Straße etwas rauer zugehen, kann ich mir auch gut vorstellen. Es sind einfach zu viele Verkehrsteilnehmer auf dem zur Verfügung stehenden Raum unterwegs. Aber: würde es einen spürbaren Unterschied machen, ob sich die Radler an Ampeln hinter den Autos aufstellen? Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos in Großstädten liegt auf Strecken bis zu zehn Kilometern deutlich unter der der Fahrräder. Es ist mir daher schleierhaft, wie der Artikel zu dem Schluss kommt, die Radler, die sich an er Ampel vor den Autos aufstellen, würden diese ausbremsen. Worauf der Artikel nämlich leider gar nicht eingeht, ist die Tatsache, dass es für Radler ein Sicherheitsgewinn darstellt, sichtbar zu sein. Nicht umsonst werden in einigen europäischen Städten an den Ampeln schon spezielle Fahrradaufstellflächen vor der Autoschlange an den Ampeln markiert – dort sind die Radler sichtbar und damit im Bewusstsein der Autofahrer. Wird dann noch durch eine getrennte Fahrradampel dafür gesorgt, dass die Radler einige Sekunden früher grün bekommen als die Autos, ist das Argument des Ausbremsens vollständig entkräftet, da man so das unterschiedliche Beschleunigungsverhalten aus dem Stand heraus gut kompensieren kann.
Ich denke, dass der Verkehr an einem Punkt angekommen ist, an dem – zumindest in Ballungszentren – ohne Fahrräder nichts mehr geht. Man stelle sich vor, die ganzen Radler würden aufs Auto umsteigen. Würde das wirklich irgendwen früher von A nach B bringen? Wohl kaum, im Gegenteil würden die Staus zunehmen. Es ist also daher an der Zeit, in der Verkehrsplanung auf die Belange der Radler stärker Rücksicht zu nehmen. Denn dass Fahrräder sowohl auf der Straße als auch zum Parken weniger Platz benötigen als Autos, ist wohl unbestritten. Und Platz ist in dichtbesiedelten Gebieten eben Mangelware.
Es ist schön, dass ein vielgelesenes Medium wie der SPIEGEL die Problematik des heutigen Verkehrs zum Titelthema erklärt, ich empfinde den Artikel aber stellenweise zu stark auf die Probleme ausgelegt, die durch die Minderheit der rücksichtslosen Radfahrer entstehen.
Sehr interessant zum Thema „Mobilität“ ist übrigens die Folge Nr. 293 des Podcasts „Küchenradio“, in der sich der Mobilitätsforscher Andreas Knie über die Zukunft des Individualverkehrs auslässt – hier lässt sich die Folge downloaden.


Spiegel Artikel
Hi,
meine Meinung zum Artikel: 10 Autoren verderben den Brei. Aber sowas von. Ihr habt Recht, viele Fakten sind vollkommen korrekt und der Artikel erwähnt und trifft auch zahlreiche Probleme. ABER er ist über weite Strecken ein reichlich unsortiertes polemisieren gegen Radler. Massen unzusammenhängender Argumente und dazwischen immer wieder Seitenhiebe die schlicht an der Realität vorbei gehen...
Das muss besser werden!
Meinen Artikel zum Thema findet Ihr hier: www.eradhafen.de/2011/09/spieglein-spieglein-in-der-hand-wer-schreibt-am...
Beste Grüße
e-Rad Hafen
Da gebe ich Dir/Euch absolut
Da gebe ich Dir/Euch absolut Recht, der Artikel ist recht zusammenhanglos. Das hatte ich gar nicht so genau nachgezählt, dass es wirklich so viele Autoren waren. Die größten Schmerzen habe ich übrgens mit dem Verhältnis Fakten / Polemik. Das ist aus Seiten des SPIEGEL nämlich recht günstig, um zu erreichen, dass der gesamte Artikel geglaubt wird. Wäre er von vorne bis hinten schlecht recherchiert, hätten die Kritiker es wesentlich leichter, ihn als "schlecht" darzustellen.
So braucht es halt ein paar Worte mehr, um dies zu erreichen :)
Wahrnehmung von Fehlverhalten
Erstmal mein Kommentar zum Spiegelartikel:
Tendenziös, ohne roten Faden, kaum Quellen -> Grottig!
Aber hier noch eine Anmerkung von der Wahrnehmung von Verkehrsverstößen:
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Ich könnte mir schon vorstellen, dass der prozentuale Anteil an Radfahrern, die konsequent Verkehrsregeln missachten, etwas höher liegt als der der Autofahrer – das Wissen darum, dass man mangels Kennzeichen ein recht geringes Risiko eingeht, für einen Verkehrsverstoß belangt zu werden, kann durchaus zur Regelübertretung verleiten.
"""
Fahr mal mit dem Rad durch eine Straße, deren Höchstgeschwindigkeit auf 30km/h festgelegt ist mit dem Fahrrad. Am besten mit so ca. 28-29km/h (Zur not, Strasse mit leichtem Gefälle nehmen).
Und dann mal zählen wieviel Prozent der KFZ NICHT überholen und bei denen anderen schauen, wie viele dabei einen Abstand von 1.5m zum Radfahrer einhalten.
Und zum Thema bei Rot drüber, da sehe ich hier auch immer einige KFZ die sich noch eben rübermogeln. Interessant ist hierbei auch, dass (ausser in Düsseldorf) Fahrradampeln kein Gelb haben. Somit wird man sofort als Rotlichtsünder betrachtet! Rechtlich gibt die Polizei an, dass man dann einen qualifizierten Rotlichtverstoß begeht, wenn das Licht 1 Sekunde Rot war.
Bei KFZ-Ampeln wird meines Wissens erst 3 Sekunden nach Beginn der Gelbphase von einem solchen gesprochen! Von einem Radfahrer wird also eine 3-fach schnellere Reaktion als von einem Kraftfahrer erwartet!
Ganz klar - genauso wie
Ganz klar - genauso wie meines Erachtens rote Ampeln tendenziell eher von Radlern als von Autofahrern missachtet werden, dürften leichte Geschwindogkeitsverstöße und auch der mangelnde Seitenabstand beim Überholen Fehler sein, die "typischerweise" eher den Autofahrern zugeordnet werden können.
Aber weil Du die Wahrnehmung ansprichst: ich bin überzeugt, dass man eine recht gute Chance hätte, einen Autofahrer anzutreffen, der sich zunächst über den bösen Radler aufregt, der erst rechts an den wartenden Autos durch und dann über die rote Ampel fährt, diesen aber dann später mit 35cm Seitenabstand überholt, ohne sich irgendeines Fehlverhaltens bewusst zu sein.
Genauso wie sich sicher auch einige Radler berechtigterweise über Radwegparker aufregen, um sich dann danach in der Fußgängerzone aufzuführen wie die ersten Menschen.
Die Fehler anderer sehen sich halt am leichtesten - ist wohl menschlich...
Rotlichtverstoß
Ich habe gerade noch mal in der VwV StVO nachgeschlagen,
bei Ampeln muss die Gelbphase mindestens 3 Sekunden betragen, je nach zulässiger Höchstgeschwindigkeit sogar noch mehr. Und auch dann ist der "qualifizierte" Verstoss
erst nach einer Sekunde Rot gegeben. Also hat man an der KFZ-Ampel 4 mal so viel
Zeit rechtzeitig anzuhalten!
Übrigens kenn ich hier eine Kreuzung wo Linksabbiegen auf dem Radweg bedeutet, dass
man 7 Fahrspuren mit zu queren hat, jeweils mit eigener Ampel, wobei man fast immer erneut auf eine Grünphase zu warten hat, während man beim Linksabbiegen auf der Fahrbahn mit nur einer Ampel auskommt.
Richtig, die Dauer der
Richtig, die Dauer der Gelbphase bemisst sich nach der zulässigen Höchstgeschwindigkeit - 3 Sekunden bis 50 km/h, längere Zeit darüber.
Rotlichtverstöße werden unabhängig von der zHg immer unterschieden in einfache Rotlichtverstöße (bis 1 Sekunde Rotzeit) und qualifizierte Rotlichtverstöße (über 1 Sekunde Rotzeit). Wieso jedoch bei der automatischen Überwachung auf Beweisfotos nicht die Zeit ab "Rot", sondern die Zeit ab "Gelb" angegeben wird, kann ich nur vermuten. Beispiel: ich überfahre mit dem Auto eine kameraüberwachte Ampelanlage, die seit 1,79 Sekunden rot zeigt und eine Gelbphase von 3,5 Sekunden hat - dann weist das Beweisfoto nicht "1,79 Sekunden", sondern "5,29 Sekunden" aus, von denen dann auf dem Bußgeldbescheid die Gelbphasendauer wieder abgezogen wird, sodas mir dort die 1,79 Sekunden vorgeworfen werden. Meine Vermutung, wieso sich dies so verhält, ist, dass auf diese Weise auch die Zeit festgehalten wird, ab der dem Fahrer schon das Anhalten geboten wurde (entgegen dem Glauben einiger heißt gelb ja nicht "jetzt aber noch schnell rüber", sondern "anhalten!").
Dass Kfz durch die Gelbphase länger Zeit zum Anhalten haben, ist sicher richtig - allerdings dürfte bei 50 km/h auch der Bremsweg länger sein, ebenso ist die in der Reaktionszeit gefahrene Strecke abhängig von der Geschwindigkeit.
Wobei ich allerdings sagen muss, dass diejenigen Fahrradampeln, die ich an Fahrradstreifen auf Fahrbahnniveau sah, bislang auch immer eine Gelbphase hatten. Lediglich die kombinierten Rad/Fußgängerampeln haben dies meiner Beobachtung nach nicht.
Spiegel-Titelthema
Auch mich hat es gestört, dass der Artikel recht konfus und konzeptlos daherkommt. Allerdings frage ich mich, ob ein Artikel, der sich eindeutiger pro Fahrrad positioniert hätte, wirklich gelesen werden würde. Wenn man den Artikel durchliest ergibt sich das Bild: Fahrradfahrer verhalten sich häufig nicht korrekt. Aber sie unterscheiden sich darin nicht sonderlich von Autofahrern. Dass dieses Bild nicht gern gesehen wird, verstehe ich. Aber durch die Überspitzung in diesem Artikel wird man neugierig und liest dann Fakten, die "den Autofahrer" unter den Lesern sonst kaum interessiert hätten, wie beispielsweise die ungleiche Förderung von Radwege- und Autobahnbau sowie über Geschichte und Prognosen zum Radverkehr.
Abgesehen davon gibt der Artikel auch meinen (und nicht nur meinen, wie ich weiß) Eindruck von "den Radfahrern" wieder. Regelverstöße bei KFZ-Fahrern sind oftmals nicht deutlich erkennbar: weiterfahren bei gelb oder wenn die Ampel gerade auf rot schaltet. Überschreiten des Tempolimits um 10 bis 20 % etc.
Die Regelverstöße, die bei Radfahrern auffallen, sind keine graduellen Überschreitungen von Regeln, sonder entstehen häufig aus der völligen Negierung von bestehenden Verkehrsregeln: Rote Ampel? Egal. Fußweg? Egal. Radweg in der falschen Richtung? Egal. Dass dadurch eine erhebliche Behinderung bzw. Gefährdung Anderer entsteht, wird nicht erkannt oder ignoriert. Weist man Radfahrer darauf hin, heißt es: "Was geht dich an, was ich mache?" O-Ton Radfahrer nach Missachtung meiner Vorfahrt gestern morgen.
Fazit: mir ist es lieber, ein Artikel stellt einige Missstände (Spiegel-typisch) überspitzt dar und informiert im gleichen Zuge über wichtige Themen des Radverkehrs als dass er ausschließlich auf "uns" herumhackt oder tendenziös Radfahrer als "Engel" darstellt, was eh keiner lesen mag.
Noch bevor ich den Spiegel in der Hand hielt, hatte ich übrigens vor einiger Zeit einen kurzen Artikel zum Thema verfasst, der "passend" gestern online ging.
Viele Grüße, Andreas
BikeBlogBerlin
Mit Deiner Aussage, dass
Mit Deiner Aussage, dass Verstöße bei Autofahrern oftmals graduell und schlecht wahrnehmbar sind, bei Radlern hingegen meist absolut und damit sichtbar, hast Du sicher Recht. Das liegt vielleicht daran, dass Ampeln in den seltensten Fällen nur "ein bisschen rot" sind - wobei es streng genommen ja auch bei Geschwindigkeitsübertretungen, Abstandsunterschreitungen etc. erst einmal auch nur zwei Zustände gibt: "Regel beachtet" oder "Regel missachtet" - wobei mir natürlich klar ist, dass es im Zustand "Regel missachtet" für die Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer einen spürbaren Unterschied machen kann, ob ich mein Auto nun mit 51 km/h oder mit 95 km/h durch die Stadt fahre - oder ob ich einen Radler nun mit 1,49m oder 0,22m Seitenabstand überhole. In der Strafzumessung wird da freilich unterschieden - 5 km/h zuviel werden anders berechnet als 25 km/h usw. Bei der viel erwähnten roten Ampel zahle ich, wenn ich als Radler erwischt werde, eben ab 1 Sekunde einen festen Betrag, unabhängig davon, ob diese rote Ampel nun Teil der Signalanlage einer stark befahrenen Kreuzung war oder ob es eine Fußgängerampel war, an der sich Kinder einen Spaß damit gemacht haben, den Knopf zu drücken und dann wegzulaufen (wobei sich meines Wisens im Fall der Kreuzung dann der Strafzettel doch verteuern kann, wenn Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer dazukommen - also doch wieder etwas graduell).
Dazu kommt eben auch, dass von 100 Radlern, denen man auf der Straße begegnet, eben nicht die 85 im Gedächtnis bleiben, die sich regelkonform verhalten, sondern die 15, die das nicht tun.
Hetzkampagne ohne Hirn
Da wurde einmal mehr eine pressetypische Hetzkampagne gegen Fahrradfahrer losgetreten, die dem peinlichen Niveau der BLÖD gerecht wird. Was bezweckt der SPIEGEL eigentlich mit sowas? Da war mal zu früheren Zeiten deutlich mehr Differenziertheit und Hintergrundanalyse insbesondere bei Titelgeschichten zu sehen, aber inzwischen scheint das auch bei diesem Nachrichtenmagazin völlig außen vor zu sein. Einzig die Stimmung auf der Straße wird durch sowas noch mehr angeheizt. Ich kann den SPIEGEL langsam nicht mehr für voll nehmen.
Du hast recht...
... mit Deiner Einschätzung zum Niveau des Artikels. Was der SPIEGEL damit genau bezweckt, ist mir auch nicht ganz klar - zumal ja trotz allem vorhandene Probleme auch Erwähnung finden. Wieso also der Beitrag so radlerfeindlich aufgezogen ist, obwohl doch selbst dem autoverliebtesten Menschen klar sein sollte, dass der Pkw als vorherrschendes Fortbewegungsmittel zumindest im städtischen Raum beim heutigen Verkehrsaufkommen an Bedeutung verliert, ja, verlieren muss, kann ich persönlich nur vermuten. Ich denke halt, dass die zahlende Kundschaft des SPIEGEL statistisch mehr Autoverliebte zählt als Umdenkende - oder dass der SPIEGEL zumindest glaubt, dies sei so. Frei nach dem Motto: "So will es der zahlende Abonnent mehrheitlich lesen - schließlich ist der rücksichtslose Radler gerade ein recht beliebtes Feindbild."
Nach meinem Eindruck gibt es
Nach meinem Eindruck gibt es einen Zusammenhang zwischen
-der Qualität der zur Verfügung gestellten Radverkehrsanlagen,
-dem Anteil des Fahrradverkehrsanteils am Fahrverkehr und
-der Verkehrsdisziplin der Radler.
Fährt man mit dem Fahrrad zum Beispiel von Hamburg über Bremen und Münster in die Niederlande, so nehmen alle 3 Verkehrsmerkmale zu.
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