2006 – Tschechien


Nachdem der Regen in der Nacht so stark war, dass ich Nässe im Zelt habe, beschließe ich, heute die Heimreise anzutreten. Ich radle die paar Kilometer bis zum nächsten Bahnhof und fahre mit diversen Umstiegen in Nahverkehrszügen zurück nach Appenweier, von wo aus ich die letzte halbe Stunde nach Hause strample. Es war ein toller Urlaub und das Radreisen macht mir Spaß – definitiv bin ich angefixt 🙂

15.08.2006 – die Heimreise


Aufstehen, neuen Duschautomaten kennen lernen, der mich im Verlauf der Dusche unter zwei verschiedene Brausen schickt, Packen. Los geht die Fahrt über gewohnt hügelige Straßen zunächst bis Bělá, wo ich mich mit Proviant versorge und für meine restlichen 713 Kronen (etwa 26 Euro) noch 16 Schachteln Zigaretten mitnehme – ich hab nämlich inzwischen eine Marke gefunden, die mir schmeckt: „Petra“, 44 kč je Schachtel. Nach dem Frühstück geht es weiter, nach etwa 10 km das gewohnte Bild der sich nähernden Grenze. Die Ausreise geschieht, ohne dass man mich am Zoll eines Blickes würdigt. Und nun könnte ich eine Landkarte von […]

14.08.2006 – von Borek nach Trausnitz


Aufstehen, Packen, Lebensmittel kaufen (diesmal mit der Tram, ich habe nämlich noch zwei Tickets übrig gehabt) – das übliche halt. Laut Radführer ist es ganz einfach, den Weg aus Plzeň heraus zu finden: Einfach erst dem Hinweis Rozvadov folgen, dann dem nach Stříbro. Klingt gut. Nachdem ich zweimal am Bahnhof und dreimal am Republikplatz vorbei gekommen bin, finde ich sogar das erste Schild in meine Richtung – Orientierungskünstler war ich halt noch nie. Auf der wenig befahrenen 203 fahre ich dann gemütlich über mehrere Dörfer bis Stříbro. Es ist noch sehr früh, darum hänge ich gleich noch eine Etappe an […]

13.08.2006 – von Plzen nach Borek



Nach Aufstehen und Altbausanierung, pardon, Körperpflege, fahre ich mit der Tram in die Stadt. Im Lebensmittelladen kaufe ich mir Frühstück, zigarettentechnisch probiere ich mich zu immer billigeren Marken durch, inzwischen bin ich bei der Geschmacksrichtung „Flokati Feinschnitt“ angelangt. Als erstes begebe ich mich unter die Erde, in Plzeňs historischen Untergrund. Die Stadt ist mit einem über 17 km langen Gängesystem unterkellert, zumeist dreigeschossig, wobei das oberste Geschoss heute den Wohnhäusern als Keller dient und das unterste zur Entwässerung. Im mittleren herrscht eine konstante Temperatur von 10°C bei 90% Luftfeuchtigkeit, es gibt zahlreiche Brunnen. Die Gänge dienten in ihrer Geschichte sowohl […]

12.08.2006 – radloser Touritag in Plzen


Bin ich so kaputt von den Bergen oder war das dritte Bier gestern abend vielleicht doch etwas zu viel? Vermutlich etwas von beidem. Der Radführer empfiehlt einen 47 km langen Weg nach Plzeň, die Straße Nummer 20 würde mich in 36 km dorthin bringen. Ich beschließe, heute, so faul, wie ich bin, den kürzeren, wenn auch verkehrsreicheren Weg zu wählen. Nachdem ich gefrühstückt und den Atlas zur Post gebracht habe, radle ich los. Die Straße hügelt munter vor sich hin, der Verkehr ist erträglich, nimmt aber Richtung Plzeň stetig zu. Wobei mir auffällt, dass die Einheimischen sich den Radfahrern gegenüber […]

11.08.2006 – von Nepomuk nach Plzen


Auf gehts zum Frühstück. Wobei das Frühstück heute ein bisschen später stattfindet als sonst, denn ich stoße tatsächlich erst im vierten Dorf auf einen potraviny. Na ja, vielleicht isst man in dieser Gegend einfach nicht so oft… Aber in Dub gibt es dann einen Laden am Dorfplatz, ein paar Männer sitzen davor und trinken Bier. Nach der Stärkung geht es weiter. Die „sanft hügeligen“ 25 km bis Strakonice haben ein paar ganz nette Anstiege. Unterwegs setzt Regen ein. Dann habe ich die Regenjacke wenigstens nicht umsonst mitgenommen, ist ja auch schön. In Strakonice finde ich dann zwei Fahrradgeschäfte, von denen […]

10.08.2006 – von Žichovec nach Nepomuk



Ich „genieße“ meine 4 Minuten Warmwasser (die auf die Stunde gerechnet genau zehn mal so teuer sind wie die Platzmiete auf einem nahe gelegenen Tennisplatz) in dem Sanitär-Wellnesspalast im Stile antiken Ostblockbarocks. Und ich bin mir, obwohl keineswegs kunstsachverständig, zu 100% sicher, dass diese reliefartigen steinähnlichen Applikationen an Boden und Wandfliesen kein Stuck sind. Nach dem Packen – natürlich ist die Wäsche nicht trocken – Verpflegung einkaufen, frühstücken und auf geht es erst nach Lenora, dann weiter Richtung Volary. Etwa vier Kilometer vor Volary bemerke ich, dass vorne ziemlich wenig Luft im Reifen ist. Also anhalten. Leider ist meine Luftpumpe […]

09.08.2006 – von Horní Vltavice nach Žichovec


Aufstehen, zum Waschraum, Handy in der Küche mit Strom versorgen, die übliche Körperpflege. Der Münzautomat für die Warmdusche ist neu für mich, aber gut verständlich, das Wasser ist sehr warm und kommt mit angenehm kräftigen Druck aus der Brause. Gepäck einräumen, Schlafsack, Matte und Zelt in ihre Verpackungen zwängen. Hoppla, was ist das? Da muss mir doch tatsächlich gestern jemand einen Zeltnagel gestohlen haben – nicht nur, dass er fehlt, die dadurch lose gewordene Abspannleine wurde auch kunstvoll um einen anderen Nagel geknotet. Na ja, Leute gibt es – da kann man nichts machen. Auf dem Weg zum Lebensmittelverkauf finde […]

08.08.2006 – von Nýrsko nach Horní Vltavice


Aufstehen, warme Dusche. Schlafsack und Isomatte einrollen, Zelt abbauen. Dumm nur, dass ich es feucht verpacken muss. Aber was soll ich machen – ich kann ja schlecht nach jeder regnerischen Nacht auf besseres Wetter warten. Außerdem soll es ja ab heute sportlicher zugehen, ich bin ja zum Radeln hergekommen. Kurz am Plus gehalten und Frühstück gekauft. Und los gehts. Ich merke recht schnell, dass ich als Ortenauer Flachland-Tiroler keinerlei Steigungen gewöhnt bin. Die Abfahrten sind ja recht nett, aber die Anstiege… Ich erreiche die Grenze bei Všeruby. Lange intensive Passkontrolle durch den deutschen Zoll, Abgleich mit irgendwelchen Listen. Danach eine […]

07.08.2006 – von Furth nach Nyrsko



Auf gehts! Da Fahrradabteile zumindest in älteren Zügen ja ab und zu die tolle Eigenschaft haben, nur über einen 40 cm schmalen Einstieg mit mindestens einem Meter Höhendifferenz erreichbar zu sein, und mein Fahrrad durch das ganze Gepäck nicht gerade schmal oder leicht ist, spare ich mir den ersten Umstieg und radle von daheim die 16 Kilometer bis Appenweier – zugleich eine gute Gelegenheit zu testen, ob das Gewicht halbwegs gut am Rad verteilt ist. Es nieselt leicht, die Temperaturen fühlen sich gar nicht nach August an – ist ja ein prima Einstieg. Irgendwas stimmt aber nicht, die Lenkung ist […]

06.08.2006 – die Anreise per Bahn nach Furth im Wald


Nachdem ich in den letzten Wochen alles, was mir gerade so eingefallen ist, auf diverse Listen und Zettel geschrieben habe, damit ich auch ja nichts wichtiges daheim vergesse, geht es heute ans Packen. Als alles so wild auf dem Teppich aufgetürmt ist, kommt es mir so vor, als müsse ich etwa sieben Kubikmeter Gepäck am Fahrrad irgendwie unterbringen. Natürlich braucht man Kleidung für verschiedene Witterungsverhältnisse, Zelt, Schlafsack, Isomatte, diversen Kleinkram rund ums Kochen (Kocher, Gaskartuschen, Koch- und Essgeschirr, etwas Salz, Brühwürfel, ein paar haltbare Vorräte wie Linsen, Reis etc. und und und), Landkarten / Fahrradatlas, Reiseführer, etwas Werkzeug und Rad-Ersatzteile; […]

05.08.2006 – der Tag davor


Meine erste größere Radreise war die Tour durch Böhmen (Tschechien) im Sommer 2006. Heute kommen mir die zurückgelegten Strecken und Steigungen gar nicht so übermäßig schwer vor, aber 2006 hatte ich weder den Hauch von Langstreckenerfahrung noch irgendwas mit Hügeln oder gar Bergen zu tun gehabt. Und von diesem Level aus betrachtet war die Tour für mich schon eine Herausforderung. Tschechien hat mir als Radelland sehr gut gefallen. Die Beschilderung der Radwege ist deutlich besser als bei uns in Deutschland (das Radwegenetz ist lückenloser und die Beschilderung ist deutlicher und landesweit einheitlich), die Dichte an Lebensmittelläden und Campingplätzen lässt auch […]

2006 – Tschechien