2010 (2) - Südfrankreich

Die große Sommertour fand für Gunnar und mich in diesem Jahr in Südfrankreich statt. Startpunkt war genauer gesagt Le Rozier am Ende der Tarnschlucht, dort wo die Jonte in den Tarn fließt.

Auch in diesem Jahr verband ich meinen Urlaub wieder mit der Sommerfreizeit der Evangelischen Kirchenjugend in Kehl, die dieses Jahr zwei Wochen in Le Rozier verbrachten. Ich fuhr also die Freizeitteilnehmer im Bus dorthin und wir begannen dann dort unten die Radtour.

Es war wieder eine wunderbare Radreise in einer atemberaubend schönen Landschaft und auch die letzten Tage zusammen mit der Freizeitgruppe waren sehr schön und abwechslungsreich - mit Kanufahrt auf dem Tarn und Wanderung durch die Jonteschlucht.

02. August - die Anreise nach Le Rozier

Um Hitze und Staus zu vermeiden, reisen wir auch in diesem Jahr über Nacht zum Urlaubsziel an.

Tagsüber richten und tanken wir den Bus und laden schon mal unsere Räder und unser Gepäck hinein.

Um 18.30 Uhr ist dann der große Treffpunkt mit der Freizeitgruppe, Gepäck und Teilnehmer werden eingeladen und los geht die Reise.

Bis kurz vor Lyon fahren wir auf Autobahnen, dann wechseln wir auf National- und Departementsstraßen, die langsam aber sicher immer enger und kurviger werden.

Gegen 3.00 Uhr meint Gunnar, der gerade den Begleit-VW-Bus lenkt, dass er gerne die nächste Tankstelle ansteuern würde. Theoretisch kein Problem, praktisch kommt keine Tankstelle. Als ihm der Sprit vor Le Puy dann richtig knapp wird, lassen wir uns dort - immerhin eine Departementshauptstadt - vom Navi zu diversen Tankstellen führen, die aber alle noch geschlossen haben. Immerhin findet sich nach etwas Suchen und Probieren eine Automatentankstelle, die wenigstens Gunnars EC-Karte als akzeptables Zahlungsmittel ansieht, nachdem sie alle anderen Kredit- und Bankkarten, die wir versucht hatten, abgelehnt hat. Wir tanken den VW-Bus und fahren weiter. Später auf der Strecke finde ich gegen 6.30 Uhr dann auch eine Total-Tankstelle mit Automat, an der die Flottenkarte des großen Busses funktioniert, so dass auch dessen Spritvorrat aufgefüllt werden kann. Was es indes auf der gesamten Strecke nirgends zu geben scheint, ist ein Parkplatz mit einem WC. Auch ein McDonalds, den wir in Mende als Ausweichklo in Betracht ziehen, hat morgens um kurz nach 7 Uhr noch geschlossen. Wir stoppen zum Frühstück daher an einer landschaftlich sehr schönen Stelle.

Von nun an wird die Straße richtig eng und kurvig, wir fahren nämlich in die Tarnschlucht hinein. Die Landschaft ist großartig, der Fahrstil der Einheimischen forsch-rustikal und nachdem wir uns in Peyrelau einmal kurz verfahren haben, finden wir das Camp der Gruppe. Die Lage am Tarn ist sehr schön, die Wiese ist zum Zelten bestens geeignet, auch die Fahrzeuge finden genug Platz zum Parken, aber das Haus, in dem Küche und Sanitärräume untergebracht sind, ist doch deutlich weniger schön als das letztes Jahr in Schweden. Die Gruppe macht das beste daraus, richtet sich ein, und Gunnar und ich schlafen noch zwei, drei Stündchen im Bus, bevor wir uns zum ersten Mal in diesem Urlaub aufs Rad schwingen.

03. August - von Le Rozier über Millau nach Les Cuns

Ca. 59 Kilometer, 720 Höhenmeter Anstieg, 630 Höhenmeter abwärts


Radroute 652080 - powered by Bikemap 

Zuerst fahren wir von Le Rozier nach Peyreleau, um von dort über den Berg auf kürzestem Weg Richtung Nant zu gelangen. Nach etwa fünf Kilometern merken wir aber, dass dieses Vorhaben mit unserem umfangreichen Gepäck und unserer weit weniger umfangreichen Kondition nicht zu schaffen ist. Wir genießen also ein wenig die tolle Aussicht und drehen dann um, um den Flüssen zu folgen. Zuerst fahren wir also dem Tarn entlang bis nach Millau. Unterwegs halten wir an einem kleinen Dorfsupermarkt und holen uns etwas kaltes zu trinken.

In Millau haben wir einen schönen Blick auf das Viadukt von Millau, eine Autobahnbrücke von gigantischen Ausmaßen. Wir wechseln nun den Fluss und radeln der Doubrie entlang. Die Landschaft ist traumhaft und die Straße deutlich weniger steil als unser erster Versuch am Berg, allerdings sind wir nach der schlaflosen Nacht doch ganz froh, als wir nach gut 56 geradelten Kilometern am 4-Sterne-Campingplatz "Le Val de Cantobar" ankommen. Die Rezeption hat schon geschlossen, allerdings kommen drei Mädchen, die uns weiterhelfen. Sie erklären uns, dass es noch einen Stellplatz gebe - zu 49,50 Euro für eine Nacht!!. Wir lehnen dankend ab und bekommen den Tipp, dass es zwei Kilometer weiter einen wesentlich preiswerteren Platz gebe. Den gibt es tatsächlich: "Le Roc qui parle" - ein sehr schöner Platz mit nett parzellierten Zeltstellplätzen (Kirschbaum inklusive), und unser kühles Feierabendbier bekommen wir auch. Und mit 13,50 Euro entspricht der Platz preislich doch ganz entschieden eher unseren Vorstellungen ;)

04. August - von Les Cuns nach Gignac

62 km, 660 Meter auf- und 1100 Meter abwärts.


Radroute 652094 - powered by Bikemap 

Nach einem guten und absolut notwendigen Schlaf hole ich das bestellte Baguette ab. Das Frühstück ist köstlich, das Brot schmeckt nicht nach Massenware, sondern frisch und handgemacht. Als wir gepackt haben, radeln wir los. Die ersten zwei Kilometer bis Nant (sehr hübsches kleines Städtchen) geht es leicht bergab, dafür werden die nächsten sechs, sieben Kilometer hart - da geht es nämlich mit ständig 5 - 8 % Steigung aufwärts. Nicht ganz einfach für zwei Flachlandtiroler, die zudem noch einen halben Trödelmarkt auf dem Rad mitführen :) Kurz vor Cazejourdes wird es dann aber wieder eben und teilweise sogar abschüssig.

Wir machen Pause in La Couvertoirade, einem kleinen mittelalterlichen Dorf, das mit dem Zeichen "Eines der schönsten Dörfer Frankreichs" wirbt. Es ist wirklich wunderschön, wenn auch der im Vergleich zum Dorf riesige Touristenparkplatz andeutet, dass es hier wohl nicht immer so ruhig ist wie heute. Wir kaufen uns eine köstliche Melone und machen eine ausgedehnte Pause nach dem langen Anstieg.

Die Weiterfahrt nach Le Caylar ist dann um so leichter - es geht nämlich bergab. In Le Caylar versorgen wir uns in einem Supermarkt für den Abend und den nächsten Morgen und versorgen uns mit kalten Getränken und Blätterteigteilchen vom Bäcker. Der Ort selbst ist hübsch und widmet sich ausdrücklich den langsam Reisenden - Wanderern, Radlern, Reitern und so weiter - und fordert sie auf, ihre Reiseberichte zu erzählen.

Von Le Caylar radeln wir über St.-Pierre un das schöne La Vacquerine, dann geht der Anstieg los auf den Col du Vent, der 703 Meter hoch liegt. Oben ermahnt uns ein Einheimischer, bei der Abfahrt gut aufzupassen, und in der Tat befindet sich oben am Col eine vom Radverband "Cyclo Tourisme" gestiftete Gedenktafel für einen Verstorbenen. Die Abfahrt ist tatsächlich sehr lang und steil, die Serpentinen sind sehr spitz und stellenweise liegt recht viel Kies und Sand auf der Fahrbahn. Dafür aber sind diese letzten 15km bis Gignac mit Abstand die schnellsten der heutigen Etappe :)

Der Campingplatz ist schön, mit 22,40 Euro etwas teurer als der gestern und auch hier versorgt man uns abends mit kalten Getränken und wir können für das nächste Frühstück Baguette und Croissants vorbestellen.

05. August - von Gignac nach Palavas-les-Flots

52 km, 300 Höhenmeter rauf und 350 runter.


Radroute 652096 - powered by Bikemap 

Nach dem Packen fahren wir los in Richtung Aniane. Da unsere GPS-Geräte unterschiedliche Fahrtrouten aussuchen und wir ausgerechnet an der entscheidenden Kreuzung gerade mal nicht in Sichtweite zueinander sind, fahren wir auf verschiedenen Wegen aus Aniane heraus, verlieren uns kurz, da Gunnar umdreht, um mich zu suchen, telefonieren uns später wieder zusammen (als es mal Netzempfang gibt :) ) und treffen und in La Boissière, dem nächsten Ort auf der Strecke. Von dort radeln wir über hügelige Straßen weiter nach Montarnaud, wo wir, wie immer nach der halben Strecke, gerne etwas kaltes zu trinken kaufen würden - leider hat der gesamte Ort inklusive Supermarkt Mittagspause von 12 bis 16 Uhr. Also weiter über Bel-Air in die Vororte von Montpellier, wo wir ein Einkaufszentrum finden, um uns mit Getränken und Abendessen zu versorgen.

Dann überlassen wir den GPS-Geräten die Routenfindung durch Montpellier, wobei wir auch gleich unsere ersten zwei südfranzösischen Geocaches finden. Außerdem verhilft uns Garmin zu einer Stadtrundfahrt durch die engsten Altstadtgassen. Bei der Ausfahrt aus der Stadt Richtung Mittelmeer stellen wir fest, dass die gesamte Stadt eine einzige Trambaustelle zu sein scheint. Na ja, wir waren in dem entstehenden Stau ganz vorne dabei, da war es nicht so schlimm ;)

Als wir vom Festland auf die vorgelagerte Halbinsel, auf der Palavas und Carnon liegen, wechseln, versorgen wir uns an einem Obststand an der Straße mit frischen Melonen und radeln die letzten drei Kilometer nach Palavas. Der Campingplatz, den wir zuerst ausgesucht hatten, ist ausgebucht (und mit 30 € je Nacht auch nicht allzu billig), aber 700m weiter vorne bekommen wir einen Platz auf dem Campingplatz "St.-Maurice", der auch ein paar Euro preiswerter ist. Trotz dessen dreier Sterne gibt es auf dem ganzen großen Platz nur einen Sanitärtempel, der von der Zeltwiese recht weit entfernt liegt. Von den etwa zwanzig Toiletten sind gerade zwei als Sitzschüsseln gebaut, die restlichen haben die südländische Loch-im-Boden-Hock-Architektur, und Toilettenpapier war von Seiten des Platzes nie vorgesehen.

Es ist warm und windig, die frisch gewaschene Wäsche trocknet rasend schnell. Wir gehen über die Straße zum Mittelmeerstrand und stecken die Füße ins Wasser - zum Baden ist es uns zu kühl. Später ziehen wir uns zu einem gemütlichen Baguette-Vesper auf den Zeltplatz zurück.

06. August - Touritag in Montpellier

43 km inklusive dem ganzen Rumgekurve in Montpellier.

Von Palavas machen wir uns ohne Gepäck auf den Weg nach Montpellier. Unterwegs finden wir noch zwei Geocaches vor der Stadt sowie einen in Montpeller, den wir gestern abend vergeblich gesucht hatten. Die Baustelle ist noch genauso schlimm wie gestern und bei unserem Versuch, sie auf alten Seitenwegen zu umgehen, stehen wir irgendwann im Nichts und müssen die Räder ausgerechnet an einer etwas unübersichtlichen Stelle über eine Betonmauer auf die einzige Fahrspur in dieser Richtung hieven.

Montpellier ist eine schöne mediterrane Stadt, der zentrale Platz ist die Place de la Comédie, von der aus man sowohl in die Altstadt als auch ins neuere Antigone-Viertel im postmodernen Stil gelangt. Wir lassen es uns den Tag über gut gehen und sehen uns die Innenstadt an.

Auf dem Rückweg besorgen wir unser Abendessen bei Auchan und suchen in Palavas noch schnell zwei Geocaches, wobei wir erstmals ins wirkliche Zentrum von Palavas kommen und feststellen, dass es sich um eine Art französischen Ballermann handeln muss - ein riesiges Touristenbespaßungsgehege. Wer's braucht - bitte sehr, wir brauchen es nicht und ziehen uns zu Baguette, Wurst und Käse ans Zelt zurück.

07. August - von Palavas nach Villeneuve-lès-Béziers

81 km, 320 Meter rauf und runter


Radroute 652113 - powered by Bikemap 

Natürlich ist es wieder reichlich warm, bis wir mit Frühstück, Duschen und Packen fertig sind. Wir nehmen noch schnell einen Geocache in Palavas mit und radeln einem beachtlichen Stau entgegen - die Einheimischen zieht es auf die Bespaßungsinsel, etwa sechs bis acht Kilometer Stoßstangenkuscheln werden es wohl schon sein. Schön, dass man auf dem Rad da fix daran vorbei kommt :)

Wir fahren gut zwanzig Kilometer auf einer eher stark befahrenen Nationalstraße, der N113, machen unterwegs eine Geocache-Geldabheb-und-Kaltgetränk-Pause in Fabrègues, fahren weiter, erreichen kurz nachdem wir die N113 verlassenk, das schöne Dörfchen Loupian, wo wir die Hälfte der heutigen Etappe geschafft haben und das tägliche "Bergfest" mangels Supermarkt im Café des Commerces verbringen. Es ist eine Dorfkneipe, wie sie dem Klischee der französischen Dorfkneipe nicht besser entsprechen könnte: wir sind trotz der Hitze die einzigen, die alkoholfreie Getränke zu sich nehmen, in einem Eck findet über Bildschirm alle fünf Minuten eine Lottoziehung statt und eine Jukebox macht ziemlichen Lärm. Wir bleiben eine gute Stunde dort, trinken Orangina, Eistee und Kaffee, schreiben unsere Montpellier-Ansichtskarten, die wir nach unserem Aufbruch auch noch im Ort einwerfen, und erholen uns.

Von Loupian aus geht es über verkehrsarme Straßen nach Pomérols und Florensac, wo wir fürs Abendessen einkaufen. Weiter geht es hügelig, die letzten Kilometer vor Béziers auf einer vierspurigen Einfallstraße, wo uns eine Gruppe gutgelaunter Motorradfahrer den Tipp gibt, uns vor den Radarfallen zu hüten.

Am Eingang von Béziers steht dann günstigerweise ein Décathlon, wo ich mir ein Flickzeug für meine in der letzten Nacht undicht gewordene Therm-a-Rest-Isomatte kaufe. Dann fahren wir die letzten Kilometer zum Campingplatz, der in Villeneuve direkt am Canal du Midi liegt. Ein Schild am Zeltplatz sagt "complet", also ausgebucht, wir fragen dennoch nach einem Platz. Der Platzwirt will nicht so recht, aber seine Frau versichert uns, für Radler sei immer Platz. Wir beziehen eine schöne Parzelle direkt am platzeigenen Pool, in dem wir uns auch gleich noch kurz abkühlen. Hier am Kanal treffen wir auch erstmals auf andere Radreisende mit Gepäck - die französischen Kanäle sind bei den Reiseradlern wesentlich beliebter als unsere Quer-durchs-Land-Routen. Hier lernen wir Friedrich und Georg kennen, die nun schon seit knapp vier Monaten von Bremen aus mit zwei elektrounterstützen Rädern und Gepäckanhängern unterwegs sind. Sie haben schon 5000 km hinter sich und wohl noch etwa 2000 km zu beradeln, bevor sie im Oktober wieder daheim sein wollen. Wer sich für die Reise der beiden interessiert, findet hier den Blog der beiden.

08. August - von Villeneuve-lès-Béziers per Rad und Zug nach Le Rozier

gut 30km auf dem Rad, keine nennenswerten Steigungen

Wir schlafen aus, frühstücken mit frischem Baguette (und, weil Sonntag ist, sogar mit Butter und Orangensaft). Meine Isomatte ist trotz Flicken wieder luftleer, offenbar habe ich den Kleber nicht richtig angebracht. Ich befolge daher den Rat der Anleitung, die Klebewirkung dadurch zu erhöhen, dass man einen Topf mit kochendem Wasser für zehn Minuten auf die Reparaturstelle stellt. Danach scheint die Matte tatsächlich dicht zu sein.

Nach dem Packen radeln wir am Canal du Midi unter Platanen im Schatten die sechs Kilometer bis Béziers. Zuerst steuern wir den Bahnhof an, um uns zu vergewissern, dass der Zug nach Millau wirklich fährt und besorgen uns Tickets. Danach gehen wir mit unseren Rädern ins Zentrum, wo gerade die Vorbereitungen für die Stierkampfwoche stattfinden. Wir lassen es uns in einem Restaurant an den Allées Paul Riquet bei einem Dreigängemenü gut gehen, danach setzen wir uns im Plateau des Poètes in den Schatten. Als die Sonne ein wenig weiter gewandert ist, ziehen wir durch die verwinkelten Gassen der Altstadt, bewundern die schöne Kathedrale und haben vom Ufer des Orb einen fantastischen Blick auf die Silhouette der Stadt.

Danach führt und Garmin gekonnt und konsequent gegen die Fahrtrichtung sämtlicher verfügbaren Einbahnstraßen zum Bahnhof zurück, wo wir mangels Lift oder Gepäckrinne unsere vollbepackten Räder eine steile Treppe hinunter- und eine andere hinaufwuchten, um unser Gleis zu erreichen.

Der Zug, den auch noch andere Radler nutzen, hat extra Radabteile, die für uns geöffnet werden. Die Fahrt dauert knapp zwei Stunden und pünktlich um 20.07 Uhr kommen wir in Millau an.

Die knapp zwanzig Kilometer zum Camp der Gruppe radeln sich gut, obgleich mein Heckgepäckträger im Zug ziemlich verbogen wurde.

Als wir am Camp ankommen, werden wir von der Gruppe sehr herzlich empfangen - man hätte glauben können, wir seien mehrere Jahre fort gewesen :) Und sogar ein Abendessen bekommen wir noch.

Als wir unser Zelt zu den anderen stellen, ist es bereits dunkel. Die Nacht ist absolut sternklar und in der Schlucht ist es nachts kühler als weiter im Süden, was aber zum Schlafen sehr angenehm ist.

09. August - Busausflug nach Millau

(heute mal ein radelfreier Tag)

Wir frühstücken mit der Gruppe. Am Vormittag, während die Gruppe Programm hat, geht Gunnar mit dem Küchenteam einkaufen, während ich abwechselnd Wäsche wasche und mich bei Feder- und Volleyball blamiere :)

Nach dem Mittagessen fahren wir mit den Bussen nach Millau. Nachdem wir, den Schildern zum Reisebusparkplatz folgend, zweimal die Innenstadt umkreist haben, weist mir ein Polizist den richtigen Weg. Wir parken, ich lese, dass die Gebühr für den halben Tag pro Fahrzeug 8 Euro beträgt, gehe zur Gare routière, um zu bezahlen, und darf dann gratis stehen bleiben - wegen der zwei Stunden, die wir bleiben möchten, lohne es sich nicht, großartig Parkscheine auszustellen.

Wir streifen durch die Gassen im Zentrum, shoppen, essen Eis, trinken Kaffee und treffen und um 17 Uhr wieder mit der Gruppe am Bus. Dann fahren wir zum Aussichtspunkt des Viaduktes von Millau. Diese gigantische Autobahnbrücke ist eine der größten Hängebrücken weltweit und ein sehr imposanter Anblick. Nach der Besichtigung fahren wir dann zurück zum Camp.

10. August - per Rad nach Liaucous, zu Fuß zurück

5 km auf dem Rad, dabei gefühlte 250 Höhenmeter

Nach dem Frühstück macht sich die Gruppe geschlossen zu einer Wanderung mit Übernachtung unter freiem Himmel auf. Wir haben angeboten, gegen Abend das Versorgungsfahrzeug mit Lebensmitteln und Schlafsäcken zum Treffpunkt zu fahren und wollen tagsüber die nähere Umgebung per Rad erkunden.

Als wir aufbrechen, radeln wir zuerst zwei steilst ansteigende Kilometer zu einem wunderbar urigen alten Bergdorf, Liaucous, hinauf, wo wir einen Geocache suchen, ohne ihn zu finden. Danach wollen wir weiter nach Le Rozier, wo mein Reiseführer eine Kurzwanderung zu einem tollen Aussichtspunkt empfiehlt. Leider erleidet das Hinterrad von Gunnars Velo einen Speichenbruch auf dem Weg nach Le Rozier, sodass wir zurück ins Camp laufen und eine Notfallspeiche einsetzen. An Weiterradeln ist dennoch nicht zu denken, da wir keine Ahnung haben, wie man ein Rad wenigstens grob zentriert. Wir bleiben also im Camp, bis es Zeit wird, die Lebensmittel in den VW-Bus zu laden und zur Gruppe zu fahren. Vorsichtshalber packen wir unsere Schlafsäcke auch in den Bus. Die Fahrt zum Treffpunkt führt über eine schmale Serpentinenstraße, in deren engsten Kehren der VW-Bus zurückgesetzt werden muss und auf der kein Gegenverkehr möglich ist - statt dessen gibt es alle paar hundert Meter Ausweichstellen.

Nachdem wir die Gruppe getroffen und mit Wasser versorgt haben, erkunden wir die Parkmöglichkeit und die zur Übernachtung vorgesehenen Höhlen. Der Parkplatz ist schnell gefunden, aber die Höhlen sind für dreißig Personen definitiv nicht groß genug. Wir biwakieren daher auf dem Parkplatz, auf dem auch der VW-Bus steht und übernachten unter einem gigantischen Sternenhimmel.

11. August - Wanderung von den Felshöhlen durch die Jonteschlucht nach Le Rozier

gut 12 km gewandert


Wanderroute 652122 - powered by Wandermap 

Nach dem Frühstück teilt sich die Gruppe. Die einen wollen den Weg zurück wandern, die anderen werden mit dem VW-Bus zurück gefahren. Da wir die Strecke noch nicht kennen und sie von den anderen als absolut sehenswert beschrieben bekommen, schließen wir uns der Wandergruppe an.

Die Wanderung ist atemberaubend. Gute Wege und steile steinige Pfade wechseln einander ab, das Panorama ist atemberaubend, zwischendurch sieht man Gänsegeier kreisen. Gegen Ende der Wanderung passieren wir ein verlassenes Bergdorf, bevor es zum letzten steilen Abstieg nach Le Rozier geht. Inklusive Pausen waren wir für die zwölf Kilometer 5 Stunden unterwegs.

Abends gehen Gunnar und ich noch nach Le Rozier, wo im Sommer jeden Mittwoch abend ein Markt stattfindet. Er ist nicht sehr groß, aber richtig schön. Die Erzeuger der Region bieten Brot, Käse, Wurst, Honig, Wein, eingelegte Oliven und Snacks an, auch ein paar Schmuck- und Kleiderstände gibt es. Der Besuch hat sich gelohnt.

12. August - Kanufahrt auf dem Tarn

(keine Radel-Kilometer, dafür 11 km per Kanu)

Am Vormittag laufen Gunnar und ich zu einem der zahlreichen Kanuverleiher. Wir haben Glück, dort wird nicht nur eine 11 km lange Tour angeboten, die beim Verleiher endet, sondern es findet auch gleich eine Abfahrt zum Einsetzpunkt statt. Zusammen mit zwei anderen Leuten werden wir also in einem eher antiken Renault-Kleinbus zur Einstiegsstelle gefahren. Dort legen wir Schwimmwesten und Helme an und es geht los.

Gleich zu Beginn müssen wir mit dem Kanu eine Betonrutsche hinunter fahren, was bestens klappt. Der Fluss ist mal ruhig, mal fließt das Wasser richtig flott, gelegentlich sitzen wir auf zu flachen Stellen auf. Am Ende einer längeren Stromschnelle etwa auf halbem Weg werden wir dann auch noch fotografiert (was die Bilder zu diesem Tag erklärt ;) )

Im letzten Drittel der Strecke schaffe ich es dann an einer sehr harmlosen Stelle dann doch, uns zum Kentern zu bringen. Keine Ahnung, wieso ich ausgerechnet heute ein Baumwoll-T-Shirt trage, das die Feuchtigkeit schön lange speichert. Auf jeden Fall kenterten wir spät genug, um noch so richtig nass wieder beim Kanuverleiher aufzutauchen :)

Wir erreichen den Endpunkt der Tour gut und ernten einen erstaunten Blick vom Verleiher - offenbar waren wir für Anfänger recht zügig unterwegs.

Obwohl wir noch recht nass sind, laufen wir vom Kanuverleih nach Le Rozier, um unsere Fotos anzusehen und sie auf eine CD brennen zu lassen. Danach laufen wir zurück ins Camp der Gruppe, wo wir den Tag gemütlich ausklingen lassen.

13. August - die Heimfahrt

nicht geradelt, dafür knapp 800 km per Bus :)

So, vom heutigen Tag gibt es aus Reiseberichtsicht so gut wie nichts zu erzählen - wie halt so ein letzter Tag vonstatten geht: packen, packen, packen und abfahren. Erwähnenswert ist vielleicht der offenbar stark betrunkene Vollpfosten, der mir gegen Mitternacht bei Lyon fast in den Bus gefahren wäre, ansonsten ging die Fahrt recht ruhig voran.

Weshalb es dennoch einen Tagebucheintrag gibt: Gunnar war so nett, auf der landschaftlich interessanten Strecke von Le Rozier bis Mende noch ein paar Bilder zu schießen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Auf jeden Fall war es ein Superurlaub, auch wenn wir mit 320 km deutlich weniger geradelt sind als letztes Jahr in Schweden - aber bei fast immer 35°C und mehr und bei insgesamt etwa 2000 erklommenen Höhenmetern (bei längeren Anstiegen am Stück als in Schweden) fühlen wir uns dennoch nicht unsportlich. Und wir haben definitiv mehr gesehen und besichtigt als im vergangenen Jahr.

Was mir auch sehr gut gefiel, war der tolle Draht zur Freizeitgruppe - ich denke, da werde ich doch die/den eine/n oder andere/n vermissen.

Es waren zwei tolle Wochen - schade, dass sie schon vorbei sind!