2009 (1) - Südschweden

2009 sollte ein Traum wahr werden: Südschweden per Rad. Nachdem Skandinavien schon seit Jahren in meinem Kopf herumgeisterte, war ich auf der Suche nach einer preiswerten Anreisemöglichkeit für mich und mein Rad samt Gepäck, idealerweise auch noch halbwegs bequem (also ohne fünfzigmaliges Umsteigen) und so, dass mein Rad sicher und unzerstört ankommt. Die Lösung kam dann recht spontan, als ich in meiner Eigenschaft als Busfahrer im Sommer 2008 eine Jugendfreizeit der Evangelischen Bezirksjugend Kehl vom Elsass nach Hause fuhr und im Gespräch mit Jörg Lange, dem Bezirksjugendreferenten, erfuhr, dass dieser für 2009 einen möglichst günstigen Bus nach Südschweden suchte. Die Lösung unserer beider Transportprobleme war dann recht schnell gefunden: ich fahre die Mädels und Jungs nach Schweden, mache dort meinen Urlaub (was den Bus verbilligt, da keine Standkosten anfallen) und nehme mein Rad einfach mit. Und da bis Hamburg ein Kollege den Bus fuhr (Lenkzeitverordnung) und von dort per Bahn heimfuhr, stieg dort noch mein Freund Gunnar zu und wir radelten zusammen.
Südschweden ist sehr hügelig und traumhaft schön. Das Radeln ist durchaus anspruchsvoll (ein steiges Auf und Ab auf Straßenbelägen verschiedenster Qualitäten), die Versorgung mit Lebensmitteln ist kein Problem, auch Campingplätze gibt es reichlich (und zudem erlaubt das Allemannsrätten, das Jedermannsrecht, auch das Zelten für eine Nacht in freier Natur, sofern auf Mensch und Natur Rücksicht genommen wird). Ein durchgehendes Radwegenetz im eigentlichen Sinne gibt es nicht, allerdings zahlreiche regionale, gut beschilderte Rundwege sowie den ganz Schweden umfassenden Sverigeleden. Die Verkehrsdichte ist aber deutlich geringer als in Deutschland, sodass auch auf Land- und Nebenstraßen traumhaft ruhig gefahren werden kann.
Noch was zum Südschweden-Material: an jedem Radeltag kannst Du Dir die entsprechende GPX-Datei (GPS-Track) herunterladen - zum Nachradeln oder Angucken mit Google Earth. Wer aber mein gesammeltes GPS-Radrouten-Material lieber auf einem Fleck hat, findet es auch bei www.bikemap.net

01. und 02. August 2009 - die Anreise

Abfahrt am 1. August um 14 Uhr in Kehl, Ankunft am nächsten Tag gegen 13 Uhr am Haus Skuggebo. Wieso dort? Und wieso per Bus? Ist doch ein Radurlaub, oder?

Nun, dazu muss ich etwas ausholen. Ich arbeite als Bus- und Taxifahrer, und als ich letztes Jahr die Gruppe einer Vogesenfreizeit der evangelischen Bezirksjugend Kehl nach Hause fuhr, kam ich ins Gespräch mit Jörg Lange, Bezirksjugendreferent, wo zwei Sachen klar wurden: Er plant für 2009 eine Jugendfreizeit nach Südschweden und sucht einen günstigen Bus - und ich suche schon seit Jahren die preiswertestmögliche Anreisemöglichkeit für mich mit Rad und Gepäck nach Schweden. Was tut man also in solch einem Fall? Klar, man fährt die Jugendgruppe nach Schweden und verbringt dort seinen Urlaub. Macht die Busfahrt für die Gruppe deutlich preiswerter - und für den urlaubshungrigen Radler ist die Anreise geklärt ;)

Also, 1. August, mittags in Kehl: Bus, Begleitfahrzeug und zwei geräumige Anhänger werden mit gefühlten zwölf Tonnen Material, Gepäck, Lebensmitteln (und natürlich einem Fahrrad nebst Gepäck ;) ) beladen. Am Steuer nimmt zunächst mein Kollege Karlheinz Platz - er wird bis Hamburg fahren und von dort per Bahn nach Hause zurückkehren, ich übernehme dort. Denn abgesehen davon, dass es unverantwortlich wäre, als einzelner Fahrer knappe 1500km allein zu lenken, wäre es auch gar nicht zulässig. Sehr angenehmer "Nebeneffekt" ist, dass in Hamburg ein Sitzplatz im Bus frei wird, den dann mein guter Freund Gunnar besetzen wird, der zufällig in Hamburg wohnt und gerne mitradeln möchte.

Zeitsprung: 2. August, 0.15 Uhr. Ankunft am Hamburger Hauptbahnhof. Karlheinz steigt aus, Gunnar ist schon am Bahnhof, wir machen sein Rad reisefertig (Lenker quer und einen formschönen Plastiksack über Hinterrad/Kette, dann werden Rad und Taschen noch in den Bus gestopft), ich richte meinen Fahrerplatz ein und los geht es - noch mal kurz getankt und ab Richtung Dänemark.

Dänemark - ein Traum für jeden Autobahnnutzer. Asphalt, der glatt ist wie der sprichwörtliche Babypopo und entspanntes Fahren. Nur die Rastmöglichkeiten sind gelegentlich etwas weit auseinander. Aber es ist Nacht und die Mädels und Jungs im Bus schlafen zum größten Teil. Die Brücken (Storebaelt und Öresund), die wir auf dem Weg nach Schweden passieren, faszinieren mich dann doch ziemlich. Beeindruckend, was die Architekten da auf die Beine stellen ließen. Wobei der Storebaelt für mich recht anspruchsvoll war. Kräftiger Seitenwind, gelegentlich abrupt unterbrochen von massiven Betonelementen der Brückenaufhängung, sind mit einem Reisebus plus Anhänger nicht eben leicht zu fahren. Aber morgens gegen halb neun sind wir dann über den Öresund und in Schweden!

Nun sind es noch etwa 250 Kilometer bis zum Haus der Gruppe, dem Haus Skuggebo am Ruskensee. Wir fahren bis zum Wohnhaus des Vermieters, der uns dann die letzten Kilometer leitet. Das Haus liegt wunderschön am See, verfügt über ein großes Grundstück mit massig Platz zum Zelten, eigenem Strand, Bootshaus, Kanus, Sauna - also mit allem, was das Herz begehren mag.

Da ich nun auch schon so etwa dreißig Stunden wach bin, lassen wir unsere Tour erst morgen beginnen, schlagen unser Zelt auf dem Gelände auf und radeln abends noch gemütlich ohne Gepäck etwa 40 Kilometer in der näheren Umgebung zu einigen Geocaches am See.

03. August 2009 - vom Haus Skuggebo nach Växjö


67,5 Radel-Kilometer, 697 Höhenmeter aufwärts, 712 Höhenmeter abwärts


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So, heute geht es aber richtig los... Also, natürlich erst einmal ausschlafen. Das Gelände ist ja auch traumhaft, Blick auf den Rusken, schönes Wetter, was will man mehr. Danach in aller Ruhe frühstücken. Da wir am Sonntag ankamen, ist das Frühstück eher unschwedisch mit abgepacktem Vollkornbrot und Dosenwurst - dazu ein fast köstlicher Instantkaffee (oder heißt das heute "Analogkaffee"?). Mit Duschen und Packen (es fehlt halt noch ein bisschen die Routine) retten wir uns dann so erfolgreich durch den Vormittag, dass es schon fast halb eins ist, als wir uns von der Gruppe verabschieden - was wiederum dazu führte, dass wir, da es gerade Mittagsessenszeit war, noch zu einer köstlichen Kartoffelsuppe eingeladen wurden und uns erst nach 13 Uhr auf den Weg machen.

Natürlich haben wir eine grobe Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll, die genauere Navigation überlassen wir vertrauensvoll dem GPS-Gerät. Dem habe ich momentan noch erlaubt, über unbefestigte Straßen zu routen. Nun kennt die Kartensoftware sehr viele unbefestigte Straßen unterschiedlichster Güte. Das kann einerseits der traumhafte Waldweg sein - festgefahrener Boden, kaum Sand, das kann aber auch ein Bett feiner runder Kiesel sein (absolut traumhaft mit vollem Gepäck - man hat das Gefühl, sich etwa genausoweit zur Seite wie nach vorne zu bewegen. Ein absolutes Faible scheinen die Schweden auch für spitzen schotterartigen Grobkies zu haben - ein bisschen vergleichbar mit dem typischen Schotterbelag in Eisenbahngleisbetten, nur waren die Steine kleiner. Aber ich schweife ab. Unsere erste unbefestigte Straße auf der Tour war jedenfalls nichts von alledem. Hätte Garmin nicht darauf bestanden, dass wir uns noch auf einer Straße befinden, hätte ich es womöglich nicht geglaubt. Unbefestigt? Ja sicher. Straße? Ich seh keine. Als wir dann kurze Zeit später die vollbepackten Räder über eine Birke hieven, die quer über der "Straße" liegt, ändere ich die Einstellungen im GPS dann so, dass er künftig auf befestigte Wege ausweicht, wo solche existieren.

Über wenig befahrene Straßen geht es an kleinen Dörfern vorbei zur ersten Stadt auf der Strecke, Lammhult. Hier befindet sich auch der nächste Supermarkt zum Haus Skuggebo. Wir kaufen ein paar Lebensmittel für den Abend und den nächsten Morgen ein, gönnen uns Wassermelone, Beerensaft und Dickmilch und beschließen, heute noch bis zum Campingplatz in Växjö zu fahren.

Ein weites Stück fahren wir dabei auf der Reichsstraße 30 - es ist ja immerhin schon fortgeschrittener Nachmittag und noch über 50km. Auf diesen Fernstraßen ist Radeln nicht verboten, allerdings scheint die Straße um so wichtiger und damit verkehrsreicher zu sein, je kleiner deren Nummer ist. Auf den zweistellig nummerierten Straßen ist jedenfalls ordentlich was los. Wobei wir uns nicht unsicher fühlen - der Verkehr in Schweden ist von einer starken Rücksichtnahme geprägt, und zudem haben die Fernstraßen auch öfters mal einen breiten Seitenstreifen, den man hervorragend als Radweg nutzen kann.

Als wir den Campingplatz erreichen, ist es dann auch schon nach 21 Uhr. Eigentlich bräuchte ich eine Jahresmarke für meine CampingCard. Die sind aber gerade ausverkauft - wir dürfen unser Zelt trotzdem aufstellen. Und unser Abendessen - Knäckebrot, Wurst, Käse, Bier - schmeckt auch im Dunkeln ausgezeichnet.

04. August 2009 - von Växjö nach Nybro


96 Radel-km, 769 Höhenmeter auf- und 851 Höhenmeter abwärts


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Ausschlafen, duschen, Frühstück. Das Packen geht auch schon etwas schneller als gestern :)

Heute wird nicht nur ein relativ langer Radeltag, wir heben auch neun Geocaches - dadurch wird die Tour, obwohl wir uns im Wesentlichen an der Fernstraße orientieren, recht abwechslungsreich.

Bereits direkt nach der Abfahrt in Växjö sehen wir durch unser Hobby zwei nette Plätze direkt am Helgasjön. Später zeigen uns die Caches noch ein verlassenes Grab in der Natur, einen wunderschönen Park in Hovmanstorp, eine alte Papiermanufaktur und so einiges andere.

Das Radeln verläuft ohne Pannen und wie gestern bei schönem Wetter (nicht zu heiß, trocken, was will man mehr?) Allerdings haben die Fernstraßen auch einen gewaltigen Nachteil: das ständige Auf und Ab, das man zwar auf den Nebenstraßen auch hat, aber die Stärke der Steigungen ist deutlich auf den motorisierten Verkehr ausgelegt. Und teilweise sind die "Hubbel" auch psychologisch höchst gemein: Man strampelt auf die Kuppe, rauscht in Gedanken schon abwärts, nur um oben eine Ebene, gefolgt vom nächsten Anstieg zu finden.

Abends kurz vor 20 Uhr erreichen wir Nybro und sehen den einzigen "Lidl" auf unserer Tour. Ansonsten sind eher einheimische Supermärkte wie ICA, Hemköp und teilweise coop anzutreffen. Aber Lidl sieht aus wie daheim - die haben wohl weltweit nur einen Architekten.

Auf dem Zeltplatz treffen wir dann eine Familie aus der Gegend um Berlin - die haben morgen zunächst dasselbe Ziel wie wir: Richtung Kalmar/Öland. Zum Abendessen kochen wir heute einen Topf Nudeln in improvisierter Tomatensauce, dazu gibt es wieder ein einheimisches Bier. Hierzu ist erzählenswert, dass in schwedischen Supermärkten nur Getränke bis maximal 3,5% Alkoholgehalt verkauft werden dürfen - für alles stärkere muss man einen staatlichen Alkoholmonopolladen (Systembolaget) aufsuchen. Ich persönlich empfand nach dem Radeln das "schwache" Bier als sehr angenehm. Einen Unterschied schmeckte ich nicht, aber es stieg nicht zu Kopf.

05. August 2009 - von Nybro nach Köpingsvik


81 Radelkilometer (+5km Brückenbus), 624 Meter auf- und 698 Meter abwärts


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Nach Ausschlafen und Frühstück bekommen wir Besuch von einer jungen Deutschen, die für ihre Diplomarbeit Radreisende über ihre Motive, Strecken und Art zu reisen befragt. Da hilft man doch gerne.

Als es dann losgehen soll, stelle ich fest, dass mein Hinterrad über Nacht die Luft verloren hat. Also erst einmal reparieren. Dann geht es aber wirklich los.

Über eine schöne Nebenstrecke, auf der wir (natürlich) auch ein paar Geocaches heben und nebenbei die Familie aus Eberswalde wieder treffen, gelangen wir bis kurz vor Kalmar. Kurzer Stopp an einer Tankstelle - Luft auffüllen, mit der Handpumpe bekommt man einfach nicht den Druck auf den Reifen, mit dem es sich komfortabel fährt.

In Kalmar folgen wir dann der Radwegbeschilderung nach Öland. Die vorgelagerte Insel ist hier über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Wie uns dann Schilder auf dem Radweg deutlich mitteilen, ist das Überqueren der Brücke zu Fuß oder per Fahrrad verboten - was auch durchaus sinnvoll ist, denn es handelt sich um eine vierspurige Schnellstraße ohne Seitenstreifen. Es steht aber ein Pendelbus bereit, der sogar kostenlos verkehrt. Die Räder kommen auf den Anhänger, das Gepäck unten in den Bus, lange dauert die Fahrt nicht - es sind ja nur etwa fünf Kilometer.

Auf der anderen Seite angekommen, lassen wir uns im Turistbyrå, der Tourist-Information, erst einmal mit ausfürhlichen Informationen zu Öland versorgen. Hier muss einmal ganz klar gesagt werden, dass das Material der schwedischen Tourist-Infos durchweg ausgezeichnet ist. Hier bekommen wir sogar eine Radwegekarte mit genauen Auskünften über den Straßenbelag auf den einzelnen Abschnitten der Strecke.

Auch die Postkarten an die Daheimgebliebenen kaufen und schreiben wir hier. Dann suchen wir uns noch einen Campingplatz für die Nacht aus (heute darf es ein bisschen Luxus sein und wir entscheiden uns für einen Platz mit 5 Sternen und eigenem Strand) und radeln los. Zunächst einige Kilometer auf der Straße 136, nach einem kurzen Supermarktstopp biegen wir dann auf den überaus schönen Ölandleden ab, der auf insgesamt über 400km um die ganze Insel führt.

Wir kommen am Abend auf dem Campingplatz in Köpingsvik an und stellen unser Zelt auf. Beim Auspacken stelle ich dann fest, dass ich offenbar meinen Wassersack nicht richtig geschlossen habe und die Hälfte seines Inhalts durch meine Materialtasche geflossen ist. Abgesehen von einigen Infobroschüren und dem Tod durch Ertrinken eines hoch wertvollen 2-Euro-Sudoku-Buchs halten sich die Verluste aber in Grenzen :)

Wir genießen ein kurzes Bad in der Ostseee, gönnen unserer frisch handgewaschenen Wäsche eine Runde im Wäschetrockner und genießen das Abendessen bei Livemusik, die auf dem Campingplatz geboten wird.

06. August 2009 - von Köpingsvik nach Berga


102,9 Radelkilometer (+ etwa 32km Fähre), 593 Meter auf- und 519 Meter abwärts


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Heute ist der einzige Tag der Tour, an dem wir uns den Wecker stellen, denn heute wollen wir in Ölands Norden die Fähre um 17 Uhr erreichen, und lieber etwas früher losfahren. Zum Frühstück spendiert Gunnar frische Brötchen und Orangensaft aus dem platzeigenen Geschäft.

Die Abfahrt verzögere ich dann gekonnt, indem ich nach dem Packen feststelle, dass ich schon wieder einen Platten habe, diesmal vorne. Also mal wieder die Flickkünste angewendet, erstaunlicherweise ist im Mantel kein Fremdkörper zu finden.

Wir fahren über den Ölandsleden und die Küstenstraße gen Norden. Die Landschaft und die Aussicht sind traumhaft, die Sonne brennt heute ganz schön kräftig und wird im Lauf des Tages zusammen mit der salzigen Luft für einen netten Sonnenbrand sorgen. Wir kommen auch an einer restaurierten alten Mühle vorbei, mit der der Naturstein, der traditionell auf Öland abgebaut wurd, geschliffen wurde.

Gegen Mittag erreichen wir Löttorp, besorgen uns im dortigen Supermarkt etwas zu trinken - und bei mir ist mal wieder das Vorderrad platt. Alles demontiert, den Mantel nochmal aufmerksam auf Fremdkörper untersucht - weder Gunnar noch ich werden fündig. Als ich zum Flickzeug greifen will, spendiert mir Gunnar einen fabrikneuen Ersatzschlauch (Ersatzschläuche hätte ich zwar auch dabeigehabt, aber eben auch schon repariert) - also wieder alles zusammengebaut und aufgepumpt.

Nach weiteren acht Kilometern fehlte mir dann vorne wieder einmal die Luft, wobei wir uns beide recht sicher waren, dass ich beim letzten Pumpen wohl vergessen hatte, das Ventilschräubchen zuzudrehen (die Staubschutzkappe habe ich auch liegen lassen). Also ist mal wieder fröhliches Pumpen angesagt.

Entgegen meiner schlimmsten pessimistischen Befürchtungen erreichen wir Byxelkrok noch rechtzeitig vor dem Ablegen der Fähre und haben sogar noch Zeit, in aller Gemütlichkeit durch die Geschäfte zu bunmmeln und einen Kaffee zu trinken.

Die Überfahrt dauert knapp zweieinhalb Stunden und kostet pro Person 150 Kronen (15 Euro), die Räder fahren gratis mit. Kurz vor halb acht am Abend erreichen wir Oskarshamn,dort stelle ich fest, dass mein Vorderrad definitiv wieder platt ist. Nach der dritten Reparatur des Tages (meine Laune diesbezüglich hält sich in Grenzen) finde ich dann endlich den Fremdkörper im Mantel. Ein Stückchen Nagel, gerade so kurz, um von außen nicht zu sehen und von innen nicht zu fühlen zu sein, aber gerade so lang, um unter Vollast so dezent auf den Schlauch zu drücken, dass sich ein Löchleinchen ergibt, das so winzig ist, dass man es nur mit voll aufgepumptem, von Hand gedehnten Schlauch mit dem Lochsucher überhaupt andeutungsweise finden kann. Nach der Reparatur und einem kurzen Supermarkt- und Tankstellenstopp (Luft) machen wir uns dann auf den Weg nach Berga, etwa 30 km von Oskarshamn entfernt. Da es langsam dunkel wird, nehmen wir mal wieder die Fernstraße - Landschaft ist ja im Dunkeln ohnehin keine zu sehen.

In der Zieleinfahrt auf den Campingplatz bekam dann Gunnar auch noch seine Portion Pech des Tages ab, als er durch eine Lücke zwischen Bäumen fahren wollte, wo aber, im Dunkeln eher unsichtbar, ein Fahrradständer aufgestellt war. Obwohl Gunnar mit einer ganz ordentlichen Geschwindigkeitdort hineinfuhr, ist ihm glücklicherweise außer zwei enormen blauen Flecken nichts passiert - und auch das Rad blieb heil, sieht man mal von leichten Kratzern ab.

Trotz der fortgeschrittenen Stunde genießen wir ein leises Abendessen - das haben wir uns heute wohl auch verdient.

07. August 2009 - von Berga nach Vetlanda


84,1 Radelkilometer, 1078 Meter hoch und 968 runter


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Nach dem Frühstück und einer netten Unterhaltung mt unseren Platznachbarn, einem schwedischen Paar, ist es auch schon wieder fast Mittag, bis wir loskommen. Aber die Strecke heute wird ja auch nicht ganz so weit werden wie gestern.

Die erste Hälfte des Wegs bis Virserum ist auch recht angenehm - ruhige Nebenstraßen, die uns eher hügelig als bergig vorkommen. Viel Schatten, was bei der Wärme ja auch ganz angenehm ist.

In Virserum legen wir dann eine Rast bei Banane, Wassermelone und kalten Getränken am Supermarkt ein. Die Reifen halten heute auch die Luft, also auf zur zweiten Hälfte.

Müsste ich diese zweite Hälfte mit einem Wort beschreiben, wäre "mörderisch" nicht ganz falsch. Nicht nur, dass es gleich mit einem ziemlichen Anstieg anfing (man sieht es im Streckenprofil ganz gut), auch der Straßenbelag wechselte zu einem ziemlich groben Asphalt, der zusätzlich Kraft kostete. Schatten war auch nicht mehr so üppig zu haben wie auf der ersten Hälfte - teilweise zwingt die Strecke zum Schieben.

Trotzdem erreichen wir gegen Abend Vetlanda, werfen einen kurzen Blick in die Stadt und begeben uns zum Campingplatz. Dort ist, obwohl es nicht so spät ist, die Rezeption schon geschlossen. Ich rufe die aushängende Telefonnummer an und erfahre, dies sei kein Problem, wir sollen einfach morgen vor der Abreise zahlen.

Heute haben wir direkt beim Zelt auch den Luxus einer Bank mit Tisch - ist ja auch mal ganz angenehm, im normalen Sitzen zu essen.

08. August 2009 - von Vetlanda nach Vrigstad


56,7 Kilometer - 724 Meter rauf und 697 runter


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Auch heute lassen wir den Vormittag eher ruhig angehen - wir müssen ja erst morgen abend wieder am Haus Skuggebo sein und haben nicht mehr sehr weit.

Die Strecke heute ist wirklich hübsch, wir sehen eine alte Kirche aus dem zwölften Jahrhundert mit schönem Holzglockenturm, außerdem sehen wir durchs Geocachen eine Schlossruine an einem kleinen See, ein Handwerksmuseum sowie zwei Stellen einer alten Torfbahn.

Heute ist übrigens auch der einzige Tag, an dem Garmin einen Navigantionsfehler macht und uns über einen Bahnübergang schickt, wo es weit und breit keinen gibt - das Problem ist mit dem Fahrrad aber durchaus lösbar :)

Am Abend erreichen wir Hagens Naturcamping in Vrigstad, der von einer sehr netten niederländischen Familie betrieben wird. Dort gibt es heute Abend auf Wunsch ein Buffett verschiedener Aufläufe und Pies (einer leckerer als der andere) - wir nehmen das Angebot an und lassen es uns gut gehen. Gegen Ende des Abends wiegen wir gefühlt 3 Kilo mehr. Die Gaststätte darf übrigens auch Alkohol ausschenken, so dass wir heute auch einmal starköl, normal starkes Bier, trinken - das übrigens keineswegs so exorbitant teuer war, wie ich es in Skandinavien erwartet hätte.

Nach dem tollen Abendessen stellen wir das Zelt auf - der Platz ist einfach traumhaft. Es ist zwar der einzige Zeltplatz auf unserer Tour, der nicht in der Nähe eines Badesees (oder des Meeres) liegt, dafür liegt er in einem wunderschönen Stückchen Wald.

09. August 2009 - von Vrigstad zum Haus Skuggebo


30,2 Kilometer, 471 Meter raus und 502 runter
(und abends nochmal 26,5 Kilometer)


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So, da wir heute ja nun wirklich kaum Strecke vor uns haben, gibt es keinen Grund, an der traditionellen morgendlichen Gemütlichkeit etwas zu ändern. Wir verabschieden uns gegen Mittag von den netten Platzwirten und machen uns auf den Weg.

Dafür, dass wir ein ganzes Stück am Rusken entlang radeln, der ja nun wie die meisten Seen recht eben ist, ist die Strecke gewohnt hügelig :)

Dafür erwartet uns eine nette Überraschung, als wir am Haus Skuggebo wieder auf die Jugendgruppe stoßen. Die veranstalten nämlich gerade einen Wellnessnachmittag, wodurch wir in den Genuss von Fußbädern und Sauna kommen (wobei Gunnar auf die Sauna verzichtet, ihn hat der Sonnenbrand auf Öland deutlich stärker erwischt als mich) - das war nun wirklich schön nach der Tour.

Wir stellen unser Zelt auf dem Gelände der Gruppe auf, lassen unser Gepäck dort und radeln nach dem Abendessen noch knappe 27 Kilometer zu zwei nahe gelegenen Geocaches - es ist wirklich beachtlich, wie leicht es sich auf einmal so gepäckfrei radelt :)

10. August 2009 - per Bus nach Bergdala und Växjö


(und abends noch ein paar Radelkilometerchen)

Heute ist mal wieder ein Weckertag - denn heute macht die Gruppe einen Ausflug per Bus, und dazu ist meine Anwesenheit als Fahrer wohl zwingend nötig :)

Am Vormittag geht es los, zunächst fahren wir nach Bergdala, wo wir in der Glashütte bei der Herstellung verschiedener Glaswaren zusehen können. Auch ein paar hübsche Andenken kaufe ich dort.

Danach geht es weiter nach Växjö, wo sich die Gruppe mit einem City-Quiz auf die Innenstadt stürzt. Leider kommen wir im strömenden Regen an, es wird aber bald wieder trocken. Während die Gruppe ihr Quiz löst, machen wir einen kombinierten Geocache-und-Shopping-Bummel.

Abends nach unserer Rückkehr am Haus Skuggebo radeln wir dann nochmal knappe 23 Kilometer, den Geocache, Anlass der kleinen Tour, haben wir dann aber leider nicht gefunden.

11. August 2009 - Einkaufen in Lammhult


(Skuggebo - Lammhult - Skuggebo)
41,9 km - 540m rauf und auch wieder runter


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Heute steht nicht allzuviel auf dem Programm, aber zum nächsten Supermarkt wollen wir fahren, um noch ein paar essbare Souvenirs einzukaufen- und immerhin liegt Lammhult ja auch knappe 20 Kilometer entfernt, so dass das nicht allzu unsportlich wird.

In Lammhult also zunächst die Konditorei besucht und nach einem stärkenden Kaffee den ICA gestürmt. Auf dem Rückweg fahren wir dann doch noch mal den Schlenker zu dem Geocache, den wir gestern erfolglos gesucht haben. Dort treffen wir auf einen schwedischen Geocacher, der mit Familie und Freunden zum Grillen unterwegs war. Wir suchen also im Rudel, und nach einiger Zeit ist es dann auch Ulf, der die Dose in der Hand hält. So haben wir es dann doch bis jetzt geschafft, jeden Tag wenigstens einen Geocache zu heben.

12. August 2009 - rund um den Rusken und nach Lammhult


87,2 km - 1010 Meter rauf und auch wieder runter


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Zum Abschluss unserer Schwedenreise nehmen wir uns vor, den Rusken zu umrunden. Der Weg ist schön zu fahren, verkehrsarm, hügelig. Immer wieder schöne Ausblicke auf den See wechseln sich mit unberührter Natur ab. Gegen Ende der Runde finden wir dann ehrenhalber noch den letzten Geocache der Gegend und kommen nach etwa 50km wieder in Ohs an, nicht mehr weit vom Haus Skuggebo entfernt. Dort verspricht ein Werbezettel einer Bed&Breakfast-Pension im Sommer tagsüber Kaffee und Honigwaffeln. Klingt gut, zumal ja Gunnar auch heute Geburtstag hat, der muss ja auch gefeiert werden.

So weit, so gut, nur leider ist an der besagten Adresse niemand daheim. Was tut man also als weitgereister schwedenerprobter Radler? Klar, man hängt wegen einer Tasse Kaffe noch mal schnell die insgesamt knapp vierzig Extrakilometer nach Lammhult und zurück an die Tour dran - dafür gönnen wir uns aber auch zum Kaffee noch ein sehr leckeres und sehr süßes Mandelteilchen.

13. und 14. August 2009 - die Heimreise

Tja, schade, heute geht es wieder nach Hause. Der Vormittag geht natürlich fürs Packen drauf, nach dem Mittagessen kommen die Eigentümer des Hauses zur Übergabe und um 14.30 Uhr geht es los- den selben Weg zurück, über die Brücken nach Dänemark, gegen 3 Uhr nachts erreichen wir Hamburg, wo Gunnar aus- und mein Kollege Karlheinz einsteigt, der den Bus bis Kehl fahren wird. Dort treffen wir dann nach 24-stündiger Reise müde, aber wohlbehalten an.

Eines ist für mich aber ganz sicher: es war nicht meine letzte Reise nach Schweden.