19. August 2014: vom Humboldtsee nach Stadtoldendorf 4


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Nach dem Packen und Losfahren stelle ich fest, dass mein Fahrrad Probleme macht: sitze ich drauf, neigt sich das Hinterrad so stark nach rechts, dass es leicht am Rahmen zu schleifen beginnt. Da es hingegen keine Schleifspuren am Reifen aufweist, scheint das Problem neu zu sein. Zu allem Überfluss gelingt es mir nicht, die Ursache des Fehlers ausfindig zu machen. Das Rad hat jedenfalls keinen Achter und ist auch fest verschraubt. Der Rahmen hat keine sichtbare Bruch- oder Knickstelle. Keine Ahnung, woran es liegt.

Lange weiterfahren kann ich so aber nicht. Und da mein Rad ohnehin nur vor der Reise notrepariert wird und demnächst einen neuen Rahmen erhält, entschließe ich mich zum Abbruch statt zum Werkstattbesuch. Ich lasse mich also vom GPS zum nächsten Bahnhof in meiner Richtung lotsen, das ist Stadtoldendorf, ein hübsches Kleinstädtchen mit absolut unterirdisch schlechter Bahnanbindung – wie halt so oft in deutschen Kleinstädten.

Ich suche mir die Verbindung – sieben Umstiege, über elf Stunden Reisezeit – und kaufe die Fahrkarte. Dann habe ich noch über anderthalb Stunden Zeit bis zur Abfahrt des ersten Zuges. Ich setze mich daher ins Café und trinke einen leckeren Tee.

Der erste Zug bringt mich nach Kreiensen, von dem ich zuvor ebenso wenig gehört hatte wie von Stadtoldendorf. Dort soll ich laut Reiseplan eine Dreiviertelstunde auf den Anschluss nach Göttingen warten, ich erwische aber einen Zug, der bereits fünf Minuten nach meiner Ankunft dorthin fährt.

Auch in Göttingen bekomme ich so einen früheren Anschluss nach Kassel. Dort ist die Glückssträhne aber zu Ende, denn von dort fährt der Regionalzug nach Frankfurt nur alle zwei Stunden – meine Wartezeit beträgt hier nun 1 Stunde 49 Minuten. Das nenne ich Timimg 🙂 Aber ich nutze die Pause zu einem kurzen Abstecher in die Innenstadt und bin dennoch rechtzeitig zurück am Bahnhof, bevor der Regen einsetzt.

Zwei Stunden Fahrt nach Frankfurt, von dort geht es in einem älteren Zug mit den schmalen Türen mit dem hohen Einstieg weiter nach Mannheim. Die Mühen beim Einladen des Rades werden aber mehr als entschädigt durch die Tatsache, dass dieser Zug noch echte Fenster hat, die man zwecks Frischluftzufuhr auch ordentlich öffnen kann. Hach 🙂

Von Mannheim nach Karlsruhe dann mit einer S-Bahn, die nicht nur an jeder Milchkanne anhält, sondern auch an jeder Stelle, an der seit dem frühen Mittelalter mal zwei Kühe diskutiert haben könnten, hier eventuell einmal Milch zu geben…

Von dort weiter mit der Schwarzwaldbahn nach Appenweier, wo ich dann kurz nach halb zwölf den Anschluss nach Kehl bekomme.

Ankunft zu Hause um 23:45 Uhr. Nach 11:35 Stunden Reisezeit, wovon viereinhalb Stunden die Wartezeit auf den Bahnhöfen von Kreiensen, Göttingen, Kassel, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe und Appenweier war. Und bevor ich jetzt zu negativ rüberkomme: trotz der etwas beschwerlichen Reise finde ich es großartig, dass wir ein Bahnsystem haben, das eben nicht nur aus teuren reservierungspflichtigen Fernzügen besteht, sondern das es mir erlaubt, eine solche Reise spontan und für 44 Euro durchzuführen.

Auch wenn ich gerne nach Kehl durchgeradelt wäre, sehe ich meinen Urlaub als schön und gelungen an. Ich hatte eine tolle Zeit mit Ines und Gunnar, habe 830km auf dem Rad zurückgelegt, habe viele neue Eindrücke gesammelt und einige interessante Menschen kennengelernt.

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http:/www.48zwoelf.de/files/4812-016.mp3.


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4 Gedanken zu “19. August 2014: vom Humboldtsee nach Stadtoldendorf

  • Die Family aus GP

    Tolle Bilder, gelungene Schilderungen, aber was bitte ist zu Fuß unter der Nase???
    Wenn man es oberflächlich liest, hast Du zwischen Frühstück, Kaffeepause und Abendessen ab und zu ein bisschen geradelt;)

    • Daniel Biallas Autor des Beitrags

      „Gut zu Fuß unter der Nase“ – na, extrem gesprächig halt 😉
      Und was meint ihr, weshalb ich im Urlaub zwar nicht zu-, aber auch nicht abgenommen habe?

  • Felix

    Hallo Daniel,

    ich habe schon vor einer Weile alle Artikel zu deiner diesjährigen Reise gelesen und im Nachhinein auch die Podcastepisoden angehört. Wirklich sehr spannend was du da so erlebst hast. Ich kann mir immer nicht vorstellen mit so viel Gepäck auf dem Fahrrad unterwegs sein. Von den Fotos her wirkt das immer sehr sehr schwer. Aber ich bin da eh nicht so bewandert, da ich seit fast 4 Jahren nicht mehr wirklich Fahrrad gefahren bin. Momentan packt mich aber wieder Lust und ich trage mich mit dem Gedanken herum, mir mal wieder ein Fahrrad anzuschaffen um ein wenig in der Gegend herumzuradeln. Natürlich nur erst mal kleine Strecken, da ich ziemlich eingerostet bin.

    In diesem Sinne. Viele Cachergrüße

    • Daniel Biallas Autor des Beitrags

      Vielen Dank für die netten Worte.

      Mein Gepäck dürfte so zwischen 20 und 25 Kilo wiegen – ich habe es nie kontrolliert. In der Ebene ist es gar nicht so wild, denn was rollt, rollt. Bergauf merkt man es aber sehr deutlich.

      Was ich gegen Frust tue, ist, mir äußerst selten feste Ziele zu setzen. Durch das Zelt bin ich flexibel und muss nicht eine fest vorgebuchte Unterkunft zwingend erreichen. Allerdings ist natürlich die Kombi aus Zelt, Isomatte, Schlafsack und der mobilen Küche auch der größte Anteil am Gepäck.

      Und nebenbei gesagt: wenn ich heute selbst meine Beiträge über meine erste Reise 2006 durch den Böhmerwald durchlese, merke ich erst, wie sich meine Kondition (und damit die Durchschnittstagesleistung) über die Jahre gesteigert hat. Damals waren 40km eine Herausforderung, heute eher nicht 😉

      Einfach dem eigenen Rhythmus zu folgen, ist meines Erachtens die beste Voraussetzung, dass einem das Radreisen gefällt.