Wie wird das Wasser heiß? Der Campingkocher


Selbst wenn man sich überwiegend kalt verpflegt (wie Gunnar und ich 2009 in Schweden) oder auf die örtliche Gastronomie zurück greift (wie ich 2006 in Tschechien), braucht man irgendwann mal einen Kocher – und sei es nur fürs Kaffeewasser. Modelle gibt es viele, was die Wahl nicht unbedingt erleichtert.

Wer beim Bund war, kennt sicher noch den Klapp-Esbit-Kocher. Der Kocher selbst ist, wie alles, was der Staat seinen Soldaten anvertraut, aus gutem Grund ziemlich unzerstörbar und einfach zu bedienen 🙂 Er ist zusammengeklappt etwa so groß wie zwei nebeneinander liegende Zigarettenschachteln und in ihn passen (für den platzsparenden Transport) entweder sechs große (à 14g) oder zwanzig kleine (à 4g) Brennstofftabletten (Angeberwissen am Rande: Der Name des Brennstoffs – Esbit – leitet sich nach seinem Erfinder ab: Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform – 48zwoelf.de bildet!). Das Prinzip ist einfach: Kocher aufklappen, Brennstoff in die Schale legen, Topf drauf, Esbit anzünden, fertig.
Vorteile: Es kann so gut wie nichts kaputt gehen, es kann kein Spiritus, Benzin, etc. auslaufen, das Ganze ist äußerst platzsparend (der Kocher plus Brennstoff lässt sich zum Beispiel prima in einem Armee-Essgeschirr unterbringen.
Nachteile: Der Brennstoff ist recht teuer, die Verbrennungsdämpfe stehen im Verdacht, nicht ganz gesund zu sein, auch sind die Tabletten nur in wenigen Geschäften erhältlich. Die Heizleistung ist sehr gering, man braucht also recht viel Esbit, um einen Liter Wasser zu kochen (beim Bund hält sich der treffende Spruch: „Der Kocher verhindert zuverlässig das Einfrieren von Teewasser“). Außerdem muss man eine Tablette, die man einmal angezündet hat, zu Ende brennen lassen, man kann also nicht gut dosieren.
Fazit: Eine feine Sache, wenn man nur ein paar Tage unterwegs ist und weiß, dass man nur mal Kaffeewasser oder eine Dose heißmachen möchte, aber kein „echter“ Kocher.

Gaskartuschenkocher bringen das Wasser sehr schnell zum Kochen – aber kommt es darauf im Urlaub wirklich an? Da sollte man doch etwas Zeit haben. Das Prinzip ist: oben auf die Gaskartusche kommt ein Brenner, der einem heimischen Gasherd durchaus ähnelt – bläulicher Flammenkranz, der in einem recht weiten Bereich regulierbar ist. Bei den Kartuschen gibt es verschiedene Größen und Bauformen, man muss also darauf achten, dass die Kartusche zum Kocher passt. Grundsätzlich gibt es aber drei verbreitete Formen: Die Stechkartusche wird durch einen Dorn im Kocher „angestochen“, d.h. wenn sie einmal montiert ist, kann man sie erst wieder abnehmen, wenn sie leer ist. Dafür ist dieser Kartuschentyp am preiswertesten, weil keine Ventiltechnik mitbezahlt werden muss. Die Ventilkartusche mit Klemmtechnik ist ein System von Campinggaz. Der Kocher wird aufgeklemmt und bezieht sein Gas aus einem Ventil an der Kartusche. Man kann also Kocher und Kartusche immer wieder trennen, was es oft einfacher macht, das Ganze zu transportieren – oder eine Kartusche für einen Kocher und eine Lampe abwechselnd zu nutzen. Ebenfalls mit Ventil arbeitet die Ventilkartusche mit Schraubverschluss, auf die aber die Campinggaz-Klemmkocher nicht passen.
Vorteile: Die Flammenstärke ist gut regulierbar, es wird nur Brennstoff verbraucht, den man auch benötigt. Wasser kocht sehr schnell und der Kocher ist einfach in der Bedienung (kein Vorheizen, Düsenputzen etc)
Nachteile: Die Kartuschen sind Einwegprodukte, es entsteht also recht viel Müll. Auch sind sie – bezogen auf die Gasmenge – relativ teuer. Wenn am Kocher etwas kaputt geht, ist es meist unterwegs nicht zu reparieren. Da der Schwerpunkt beim Kochen recht hoch liegt (schwerer Topf auf leichtem Kocher, der auf einer ebenfalls leichten Kartusche steckt) und die Grundfläche der Kartusche nicht eben groß ist, kann das Kochen bei nicht ganz ebenem Boden zu einer wackligen Angelegenheit werden. Die Kartuschen sind nicht überall gut erhältlich (Stechkartuschen weltweit mäßig, europaweit ganz gut, Campinggaz-Ventilkartuschen in Europa ganz gut (im Süden besser als im Norden), Ventil-Schraubkartuschen wiederum in Nordeuropa besser als im Süden). Im Flugzeug dürfen Kartuschen nicht transportiert werden.
Fazit: Ich hatte 2006 und 2007 einen Kartuschenkocher (Ventilsystem von Campinggaz) und war zufrieden damit, als ihn aber dann das zeitliche segnete, habe ich ihn durch einen Trangia-Kocher ersetzt.

Spirituskocher sind einfach in der Technik und können praktisch nicht kaputt gehen. Der eigentliche Brenner ist im Prinzip ein oben offener Napf, dessen Seitenwand doppelt ist, nach oben gelocht und nach unten zum Napf hin offen, sodass der Spiritus kurz nach dem Anzünden durch den Lochkranz herausverdampft und in einem Flammenkranz ähnlich dem am heimischen Gasherd verbrennt. Durch einen Reduzierring, den man auflegt, kann die Flamme schwächer gestellt werden, was Brennstoff spart und Anbrennen verhindert. Der bekannteste Spirituskocher ist sicher der Trangia-Sturmkocher, der ein wahres Raumwunder ist. In der Grundausstattung kommt der Trangia mit zwei Töpfen, Pfanne (die auch als Teller dienen kann), Griffzange, sturmtauglichem Windschutz und natürlich dem Spiritusbrenner mit dichtem Deckel und Reduzier-/Löschring. Durch die Konstruktion des Windschutzes, dessen Grundfläche relativ groß ist und in den der Topf eingehängt wird, liegt der Schwerpunkt deutlich tiefer als beim Gaskartuschenkocher und es wackelt nicht so beim Kochen. Das ganze Kochgeschirr passt ineinander und wird zusammen mit dem Kocher zum Transport mit einem Riemen zusammengehalten – der Trangia ist überaus kompakt, wenn man bedenkt, was alles drinsteckt. Ich habe meinen Trangia erweitert mit zwei Alutassen, einem kombinierten Schneidbrett/Abtropfsieb/Deckel, einem Kochstern, um mal eine Dose direkt erhitzen zu können, ohne den Inhalt erst in den Topf umfüllen zu müssen, und zwei Alutellern. Außerdem passen auch noch die Spülbürste (ohne Stiel, ich hab unterwegs so einen einzeln erhältlichen Austausch-Spülbürstenkopf dabei) und ein kleines Fläschchen Spülmittelkonzentrat hinein. Wer es nicht glaubt, klickt einfach mal die Bilder unten an – es passt halt alles perfekt ineinander.
Vorteile: Spiritus ist weltweit recht gut und preiswert erhältlich, die Bedienung des Kochers ist sehr einfach und es gibt keine feinmechanischen Teile, die kaputt gehen könnten. Als Komplettsystem (z.B. Trangia) sehr platzsparendes Packen von Kocher und Geschirr. Es entsteht wenig Müll durch Brennstoffbehälter.
Nachteile: In Ländern, in denen Alkoholverbot herrscht, gibt es keinen Spiritus. Der Heizwert von Spiritus ist vergleichsweise klein, bei kalten Temperaturen muss ein bisschen getrickst werden, und das Kochen geht länger als mit Benzin oder Gas.
Fazit: Ich mag meinen Trangia, und mir persönlich kocht der Spiritusbrenner schnell genug. Und für mich als Grobmotoriker ist die einfache Technik perfekt. Wer es gerne anders hätte, bekommt auch andere Brenneinsätze (Gas, Petroleum, Benzin) für den Trangia.

Benzinkocher sind technisch komplizierter. Je nach Reinheit des Brennstoffs müssen die Düsen seltener oder häufiger gereinigt werden (was bedeutet, dass man im Idealfall das vom Hersteller empfohlene reine Benzin verwendet). Wer mit normalem Tankstellenbenzin kocht, hat je nach Zusatzstoffen eventuell auch ein paar gesundheitsschädliche Dämpfe um die Nase. Im Winter muss vorgewärmt werden! Dafür hat Benzin einen sehr hohen Heizwert und ist weltweit gut erhältlich.
Vorteile: Weltweite Verfügbarkeit von Brennstoff, hoher Brennwert, durch die gute Verfügbarkeit von Benzin müssen keine Riesenvorräte mitgeschleppt werden.
Nachteile: Je nach Qualität des Benzins starke Rußbildung und/oder gesundheitsschädliche Dämpfe. Der Kocher ist nicht so einfach zu bedienen wie ein Gas- oder Spiritusbrenner. Höherer Reinigungsaufwand.
Fazit: Um so sinnvoller, je weiter man von touristisch erschlossenen Pfaden entfernt unterwegs ist.

Petroleumkocher verhalten sich ähnlich wie Benzinkocher, haben aber klare Vorteile im Winter, da Petroleum auch bei starker Kälte seinen Heizwert behält. Allerdings ist Petroleum zwar weltweit erhältlich, aber eben nicht ganz so gut wie Benzin.
Vorteile: Brennstoff weltweit gut und billig verfügbar, im Winter beste Heizleistung.
Nachteile: Stinkt und rußt wie Sau – es gibt also einiges zu spülen. Die Kocher sind ähnlich pflegebedürftig wie Benzinbrenner.
Fazit: Für Winterexpeditionen sicher erste Wahl, für die Standard-Wald-und-Wiesen-Radreise würde ich mir jetzt keinen Petroleumbrenner zulegen.

Festbrennstoffe verbrannten schon die Wanderarbeiter in den USA des 19. Jahrhunderts (die so genannten Hobos) in Öfen, die sie aus alten Konservendosen bastelten. Als edle Variante hiervon gibt es heute den klappbaren Hobo-Ofen, der zusammengefaltet etwa Postkartengröße hat und mit kleinen Holzstücken befeuert wird. Laub und Kameldung sollen auch funktionieren. Die nötigen kleinen Holzstücke finden sich wohl überall, wo Bäume wachsen, auch ohne dass man erst Holz hacken muss. Durch die entstehende hohe Hitze lässt sich auch feuchtes Holz gut verbrennen.
Vorteile: Brennstoff weltweit gratis verfügbar, kein Müll, ordentliche Heizleistung, kaum Reinigungs- und kein Pflegeaufwand, es kann nichts verloren- oder kaputtgehen.
Nachteile: Offenes Feuer ist nicht überall möglich, auch ist das Entzünden von Festbrennstoff nicht so bequem und einfach wie das von Gas oder Spiritus. Brennstoff ist zwar fast überall in der Natur erhältlich, muss aber zum Kochen erst gesucht und gesammelt werden.
Fazit: Ich habe den Hobo-Ofen noch nicht ausprobiert, halte ihn aber für eine interessante Geschichte. Vielleicht ergibt es sich ja, dass ich mal einen in freier Wildbahn zu sehen bekomme 🙂

Der kostenlose und unbezahlbare Extratipp: Zu einem Kocher gehören auch Streichhölzer oder Feuerzeug oder beides – es soll tatsächlich schon vorgekommen sin, dass sich Radler abends mangels dessen ihr heißes Wasser einbilden mussten 😉

Der zweite kostenlose Extratipp: Die Streichhölzer werden nicht im Kocher aufbewahrt. Denn schon geringe Restfeuchtigkeit kann die Kameraden unbrauchbar machen. Und so richtig trocken packt man sein Zeug nach dem Abspülen ja seltenst zusammen. Also die Zündhälzer lieber außerhalb des Kochers transportieren 🙂

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