Strom im Eigenbau


So ganz ohne Stromverbrauch geht es auch auf dem Rad bei den wenigsten. Ob man nun ein Mobiltelefon dabeihat, Fotoapparat und/oder Videokamera, MP3-Player, eventuell sogar ein Netbook oder auch nur die Taschenlampe, irgendwo braucht fast jeder Strom unterwegs.

Bei Fotoapparat, Taschenlampe und MP3-Player habe ich bislang immer darauf geachtet, dass diese mit Standard-AA- oder AAA-Batterien betrieben werden können. Bei Camcorder und Mobiltelefon wird das schon recht schwierig, und auch beim Fotoapparat ist man doch in der Modellauswahl recht eingeschränkt.

Für diejenigen, die in Hotels und Pensionen übernachten, ist das wohl kein Problem, da lädt man die Akkus einfach abends im Zimmer auf. Auf dem Campingplatz ist es schon kniffliger, denn als Zeltender hat man wohl weder Lust, für die paar Watt Strom eine recht hohe Gebühr zu zahlen noch das nötige Verlängerungskabel dabei. Und die Alternative, in Waschraum oder Küche das Handy zu laden, ist auch nicht immer das Wahre. Entweder muss man dabei bleiben oder riskiert, dass es gestohlen wird, oder man hat wegen nationaler Sicherheitsvorschriften keine Steckdosen im Feuchtbereich (Schweden) oder solche, die über einen Taster immer nur 30 Minuten lang Strom abgeben (was man aber als Tourist nicht zwingend vorher weiß 🙂 ).

Nun läuft bei zahlreichen neuzeitlichen Rädern ja ohnehin tagsüber der Nabendynamo ständig mit, also ist es doch naheliegend, dessen Energie zu nutzen.

Hierfür gibt es einige verschiedene Lösungen zu kaufen: Busch und Müller haben das E-Werk im Sortiment, das die Dynamospannung in eine in weitem Bereich wählbare Gleichspannung umwandelt, ein anderer Umwandler namens zzing liefert 5V auf eine USB-Buchse, was für die meisten Mobiltelefone ausreichen dürfte. Was mich perönlich aber eher interessierte, war eine Selbstbaulösung, die unter dem Namen Forumslader recht bekannt ist. Was mich daran hauptsächlich anspricht, ist die Arbeitsspannung von 12V (und damit die Möglichkeiten, KFZ-Ladegeräte zu nutzen) und die Möglichkeit, einen ordentlichen Stützakku einzubauen. Und dass die Kosten für den Forumslader selbst inklusive zehn teurer Eneloop-AA-Zellen noch deutlich unter den 139 Euro liegen, die Busch und Müller für ihr ebenso flexibles E-Werk nehmen (bei dem kein Akku beiliegt!), kommt auch nicht ungelegen.

Also habe ich mit dem Erfinder des Forumsladers, dem Forennutzer JensD, Kontakt aufgenommen. Der hat mir dann die passende Platine zugesendet (denn Platinen ätzen kann ich als Halb-DAU dann doch nicht). Die nötigen Bauteile habe ich dann großteils bei Reichelt, teilweise auch bei Conrad besorgt. Das Löten erschien mir relativ einfach, wenngleich auch wegen der kompakten Bauform eine ruhige Hand notwendig ist. Als Lötkolben habe ich einen einfachen 15-Watt-Kolben mit bleistiftförmiger Spitze verwendet. Als Steckverbinder benutze ich so genante Tamiya-Stecker, die rasten nach dem Verbinden ein und können sich nicht losrütteln, auch ist es unmöglich, durch falsches Einstecken irgend etwas zu verpolen. Als Steckverbindung zwischen Ladeelektronik und Akku benutze ich so einen Clip, mit dem man auch 9V-Batterien anschließen kann. Denn der Akkuhalter für die zehn Eneloop-Zellen hat auch diese Anschlüsse, also wieso etwas anderes verwenden?

Was für mich als Anfänger dann eher ein Problem ist, ist, passende Löcher in das Gehäuse zu bekommen. Benötigt werden Öffnungen für zwei Schalter, zwei LED und die zwei USB-Buchsen. Nach einigen kreativen Experimenten mit Taschenmesser und anderen Werkzeugen habe ich die Öffnungen dann kurzerhand mit dem heißen Lötkolben geschmolzen und mit dem Taschenmesser entgratet. Das ist sicher nicht empfehlenswert von wegen Dämpfe, Gesundheit und Lötkolbenschutzabkommen, aber es hat funktioniert 🙂

So, erster Test. Offensichtlich habe ich die Duo-LED farbverkehrt angeschlossen, „rot“ scheint normaler Ladebetrieb zu sein. Da aber auch noch einige Wackelkontakte vorhanden sind, die daher rühren, dass ich zum Verdrahten viel zu dicke Litze verwendet habe, die nicht richtig in die Bohrlöcher der Platine passt, entlöte ich Schalter und Leuchtdioden noch einmal, verdrahte sie mit dünnerer Litze und isoliere die Lötstellen auch mit Schrumpfschläuchen.

Nun aber wirklich: erster richtiger Test. Irgendwie scheint noch irgendwo ein Wackler zu sein, das ganze ist sehr berührungsempfindlich, aber mit dem angeschlossenen 8V-Wechselspannungs-Netzteil leuchtet die Ladekontrolle nun, wenn sie leuchtet, grün und am Akkupack liegen knapp 12V an. Der Akkupack gewinnt auch in einer Viertelstunde Test knapp 70mV an Spannung, es scheint also wirklich zu laden. Auch am USB-Anschluss ist alles bestens, sowohl mein GPS-Gerät als auch mein Handy, die als unfreiwillige Testkandidaten herhalten mussten, erkannten, dass Strom von außen kam und gingen nicht in Rauch auf.

Jetzt nochmal den Wackelkontakt gesucht und gefunden: es lag wirklich nur an der Ladekontroll-LED. Nochmal nachgelötet und ab ins Gehäuse mit den Teilen. Das ist gar nicht so einfach wie gedacht, denn ich habe das Gehäuse wirklich sehr passgenau ausgewählt. Die beiden LED klebe ich mit Heißkleber von innen fest, ebenso das Stückchen Lochstreifenplatine, auf das ich die beiden USB-Buchsen gelötet habe. Irgendwann habe ich alles im Gehäuse, aber der Deckel will nicht passen. Nach ein paar Versuchen sehe ich, dass im Deckel Kunststoffringe eingegossen sind, an die man wohl eine Platine schrauben können soll. Nachdem ich diese Ringe weggeknipst habe, geht der Deckel zu.

Geschafft – und es sieht für meine Grobmotorik gar nicht so schlecht aus.

04.07.2010
Am vergangenen Wochenende hatte der Forumslader nun seinen ersten Test in freier Wildbahn auf der Spiekeroog-Fahrt. Ich hätte zwar in diesen vier Tagen vermutlich nicht genug Strom benötigt, um die daheim vorgeladenen Akkus wirklich leerzubekommen, aber wozu nimmt man sich einen stark Handy- und MP3-Player-nutzenden Teenager mit? Richtig, um den Lader zu beanspruchen 😉

Hat super geklappt, das einzige, was ich nach der Tour geändert habe, ist der Akkupack. Denn die Befestigung der Drähtchen im Batterieclip ist alles andere als stabil, bei mir riss am ersten Tag bereits (ohne Sturz oder Gewalt am Akku) das Minuskabel aus dem Clip. Für die Tour war es kein Problem, es in den Clip einzuklemmen, aber optimal ist das nicht.

Da ich im Forum auch las, dass Batteriekästen allgemein wegen des relativ hohen Innenwiderstandes nicht so gut seien wie ein verlöteter Akkupack, habe ich die zehn Zellen mit kurzen Litzestücken aneinander gelötet (was überraschend problemlos ging, ein bisschen habe ich die Pole mit einer Feile angerauht, dann ließen sich die Flächen mit einem 30W-Lötkolben auf Anhieb verzinnen und verlöten) und als Anschluss wieder einen Tamiyastecker gewählt. Nun sieht das alles deutlich stabiler aus (wobei ich gespannt bin, was irgendwann mal ein Zöllner zu meinem Panzertape-Akkupack sagt, aus dem die zwei Kabel ragen 😉 )

Noch ein Nachtrag zu den Tamiya-Steckern:

Da ich mich als verplanten Menschen ansehe, habe ich sie so gewählt, dass man beim Anschluss nichts verkehrt machen kann. Auf dem Bild (dem letzten in der Galerie) sieht man von links nach rechts: 12V-Ausgang für weitere Verbraucher, 12V-Ausgang für den Akkupack, Wechselspannungs-Eingang. Durch die unterschiedliche Wahl von Stiften und Buchsen in Stecker- und Buchsengehäusen ist es ausgeschlossen, dass der Lader falsch an den Dynamo gesteckt wird. Andererseits hat der Akkupack dieselbe Steckergeometrie wie der 12V-Ausgang am Lader für weitere Verbraucher, so dass man weitere Verbraucher auch direkt an den geladenen Akkupack anschließen könnte. Ich weiß noch nicht, ob ich das jemals tun werde, aber man weiß ja nie…

15.08.2010
Was bei mir unterwegs nicht so ganz optimal ist, ist die Tatsache, dass die Kippschalter relativ lange Knebel haben – dadurch passiert es nämlich gelegentlich, dass das andere Zeug in meiner Lenkertasche den Lademodusschalter wieder auf „aus“ drückt. Mein Gedanke war nun, den Knebel zu kürzen – also saß ich morgens in Gignac brav nach dem Frühstück mit der Taschenmesserfeile vor dem Zelt und kürzte. Ein guter Rat: lasst das bleiben! Der Knebel des Schalters ist nämlich keineswegs massiv, wie ich glaubte, sondern hohl – und in seinem Inneren befindet sich eine Druckfeder, die einen entscheidenden Beitrag zur Mechanik des Schalters leistet. Will sagen: nach der Kürzung rastete der Schalter nirgends mehr ein. Für die Tour habe ich den Schalter dann einfach entfernt und die Drähte fest in den „Langsam“-Modus verzwirbelt – das hat für den Rest der Tour bestens geklappt. Inzwischen habe ich auch einen Ersatzschalter gekauft, bin mir aber unschlüssig, ob ich ihn einbauen soll oder den Forumslader einfach fest auf „langsam“ stehen lassen soll – auf meinen Gepäcktouren komme ich ohnehin wohl nicht in die Verlegenheit, des Schnellmodus‘ zu bedürfen, und so wie ich den Schaltplan verstehe, kann sich der Akku auch bei eingeschalteter Ladeelektronik nicht bei Stillstand über das Ladegerät entladen. Mal sehen.

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