Rucksack, Packtaschen oder doch lieber die Reisetasche?


Die Auswahl an Packtaschen ist riesig – trotzdem sieht man bei Radreisenden immer wieder dieselben Modelle. Zufall?

Irgendeine Form der Gepäcktasche braucht wohl jeder Radreisende. Wenn man nicht nur gerade ein langes Wochenende mit Zahnbürste und Wechselunterwäsche bei Hotelübernachtung plant, hat man in der Regel mehr dabei, als in einen kleinen Rucksack passt. Und obwohl es inzwischen tolle Radrucksäcke gibt, die durch ein Luftpolster zwischen dem Rucksack und einem Netz, das am Rücken liegt, dem verschwitzten Rücken ganz gut vorbeugen, halte ich es doch für wesentlich angenehmer, mit freiem Rücken zu radeln.

Jetzt steht man also im Fahrradgeschäft, will seine ersten Packtaschen kaufen und stellt fest, dass die Dinger richtig Geld kosten können. So ging es mir auch und irgendwie hab ich mir dann also so ein relativ billiges 50-Euro-Packtaschenset, bestehend aus zwei miteinenader verbundenen Taschen für den Heckgepäckträger und einem dazu passenden Koffer zum Aufsetzen zugelegt. Auf diesem Bild sieht man es in freier Wildbahn – besser gesagt man sieht es nicht, weil es sich unter der gelben Regenhaube versteckt:

15 - gutes Wetter

Die Taschen, die ich von meinem Händler hatte, waren durchaus nicht schlecht verarbeitet – sicher kann man derartige Sets sicherlich wesentlich schlechter und billiger bekommen. Aber allein durch ihre Konstruktion haben sie einige Nachteile.

Zum einen ist die Befestigung nicht sehr praktisch. Um die Taschen zu befestigen, steckt man die Federklappe des Gepäckträgers durch eine entsprechende Aussparung an dem Steg, der die beiden seitlichen Taschen verbindet. Die Seitentaschen selbst werden dann noch mit je einem Schnallriemen links und rechts an den senkrechten Streben des Gepäckträgers befestigt – schmutzige Finger gibt es gratis dazu. Der Koffer wird dann je nach Modell mit Klickverschlüssen, Reißverschluss und/oder Klettverschlüssen quer auf den Taschen be“fest“igt. Und spätestens bei der nächsten steileren Abfahrt hat man dann ständig eine Hand hinten, weil man der Befestigung nicht über den Weg traut…

Was beim Befestigen der Taschen schon umständlich ist, wird beim abendlichen Lösen dann erst richtig spaßig. Den Koffer bekommt man leicht wieder runter, aber für die Seitentaschen benötigt man praktischerweise vier Hände – also ideal für den Alleinreisenden 😉 . Erst macht man sich zwei Hände schmutzig, wenn man die Riemen an den Streben löst, dann hält man mit diesen beiden Händen die Taschen ein wenig auf Distanz, damit sie nicht in die Speichen drücken, mit Hand Nummer drei hebt man die Federklappe des Gepäckträgers an und die vierte Hand nimmt dann die ganze Konstruktion ab.

Regen mögen diese Koffer übrigens nicht so sehr. Weder die verwendeten Reißverschlüsse noch das textile Material der Taschen halten Wasser zuverlässig ab – spätestens bei einem starken Guss würde Wasser eindringen. Damit das nicht passiert, legt der Hersteller die Regenhaube bei, die man auf dem obigen Bild sieht. Die hat durch ihre Leuchtfarbe natürlich den unbestreitbaren Vorteil, dass man sich auf der Straße sichtbar macht. Und wasserdicht ist sie auch, so lange sie keinen Riss bekommt. Bei richtig starkem Regen oder Dauerschlechtwetter wird man aber mit dem Hinterrad genug Wasser aufwirbeln, um die Taschen von der Innenseite, wo die Regenhaube nicht hinreicht, zu durchfeuchten. Wenn man dann richtig Pech hat, färbt der meistens schwarz gefärbte Taschenstoff ab und man hat sich seine Sachen versaut.

Wesentlich praktischer sind einzelne Taschen. Die hängt man einfach eine nach der anderen an den Gepäckträger und genauso einfach gehen sie wieder herunter. Renommierte Hersteller wie Vaude oder Ortlieb haben dabei stabile, gut durchdachte Befestigungssysteme gebaut, die sich an nahezu jeden Gepäckträger anpassen lassen, die Tasche zuverlässig halten und die Finger sauber lassen. Auch sind diese Taschen, wenn sie korrekt geschlossen werden, ohne zusätzliche Hüllen absolut regendicht, mitunter sogar schwimmdicht. Wenn die Taschen dann noch in auffälligen Farben hergestellt und mit Reflektoren versehen werden, tragen sie durchaus zur Sicherheit auf der Straße bei.

Statt des Querkoffers des Taschensets habe ich mich für einen Packsack – ebenfalls aus dem Hause Ortlieb – entschieden. Der ist ebenso schwimmdicht wie die Packtaschen und kann mit Spanngurten quer über den hinteren Packtaschen befestigt werden. Er bietet zum Beispiel Platz für Zelt, Isomatte, Schlafsack, Inlett, Zeltunterlegplane und Wäscheleine.

Sicher sind diese Taschen in ordentlicher Qualität nicht ganz billig. Dafür halten sie aber auch ewig. Meine Ortlieb Frontroller plus sind jetzt knappe vier, die Backroller knappe drei Jahre alt. Die Frontroller sehen noch aus wie neu, die Backroller haben lediglich ein paar Flecken und Streifen vom täglichen Gebrauch. Dafür tragen die Backroller aber auch nicht nur Reisegepäck, sondern täglich meine Arbeitstaschen, Lebensmittelgroßeinkäufe und und und. Und denken dabei nicht daran, kaputt zu gehen 🙂 Spätestens für den Frontgepäckträger oder Lowrider gibt es kaum eine Alternative zu ordentlichen Einzeltaschen.

Hier einmal die ganze Garnitur aus dem Hause Ortlieb am Rad:

002 - 18 August - Natur pur

Richtig schick sind Lenkertaschen ja nun nicht, aber praktisch auf alle Fälle. Der ganze kleine Krimskrams, den man zu Fuß normalerweise in Hosentaschen oder Gürteltaschen bunkert, passt hinein, auch die Landkarte der Region, Fotoapparat, Geldbeutel, Sonnenbrille, Ersatzbatterien und ein kleiner Snack passen hinein und sind schnell griffbereit. Auch hier war ich auf meiner ersten Reise mit einer absoluten Billigtasche unterwegs, die ich mir irgendwann mal in den Neunzigern für einen einstelligen DM-Betrag in irgendeinem Supermarkt mitgenommen hatte, alles schön regendurchlässig und sehr umständlich mit Riemchen zu befestigen. Die Ortlieb-Lenkertasche, die ich mir im folgenden Jahr zugelegt hatte, hat zwar mit nicht viel weniger als 100 Euro schon ein ordentliches Loch in die Kasse gerissen, aber auch die wird wohl aller Voraussicht nach ewig halten. Die Befestigung ist gut gelöst, die Tasche kann sogar am Träger festgeschlossen werden, sodass man zumindest die Tasche an sich nicht einfach im Vorbeigehen mitnehmen kann. Und wie alle Radtaschen von Ortlieb ist auch die Lenkertasche absolut regendicht. Zusätzlich sind dichte Klarsichttaschen für Landkarten oder GPS-Geräte erhältlich – wobei ich deren Bedienung als etwas umständlich empfinde. Für das GPS-Gerät habe ich mir lieber die Lenkerschelle gekauft und bei der Landkartentasche muss das richtige Falten der Karte schon ein wenig geübt werden, damit am Ende der richtige Ausschnitt oben liegt.

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