Gepäck- und Gewichtsoptimierung


Was brauche ich unterwegs? Was nicht? Wieviel wird das alles wiegen? Wie kann man Volumen und Gewicht sparen? Wer das erste Mal für eine Radreise packt, ist sich sicher unsicher…

Wie ist auf der Startseite schon andeute, bin ich alles andere als ein Ultraleichtradler. Ich habe schon von Menschen gelesen, die mit Zeltgepäck auf 7kg in einem Fahrradkorb kommen – was ich einerseits bewundernswert finde, für mich aber andererseits wahrscheinlich nicht das Wahre wäre.

Packen, egal ob für eine Rad- oder sonstige Reise, ist immer ein Kompromiss. Je mehr ich mitnehme, umso mehr Komfort habe ich wahrscheinlich, wenn ich die Dinge, die ich mitnehme, benutze, aber um so unbequemer ist es, das alles zu schleppen. Ich denke also, es muss jeder seinen persönlich angenehmen Kompromiss zwischen „so wenig wie möglich“ und „so viel wie nötig“ finden – und jeder legt auf andere Dinge Wert, deshalb sind die Punkte, die ich jetzt anspreche, auf jeden Fall als persönliche Ansicht meinerseits und lediglich als Anregung zum Nachdenken anzusehen. Kommentare sind natürlich – wie überall sonst auf der Seite – herzlich willkommen.

Was meines Erachtens mehr Volumen und Gewicht sparen kann als spezielle Ultraleichtausrüstung, ist eine vernünftige Planung, was man überhaupt braucht und was nicht. Auf meiner ersten mehrtägigen Tour durch Böhmen im Sommer 2006 hatte ich dermaßen viel „Kruscht“ dabei, dass ich weit über ein Drittel des Packtascheninhalts nicht gebraucht habe. DAS war wirklich Platz- und Energieverschwendung, denn durch diesen Ballast ist mein Reisekomfort in keiner Weise gestiegen.

Kleidung braucht man meistens weniger, als man vermuten möchte. Unterwäsche und Socken für drei bis vier Tage ist absolut ausreichend, wenn man nichts gegen einen fast täglichen Waschtag hat, reichen auch zwei Garnituren – die am Körper und eine zum Wechseln. Dazu zwei kurze Hosen (oder Radlerhosen), zwei Fahrradshirts (oder andere Sport-T-Shirts aus Kunstfaser), ein langärmliges Shirt, eine leichte lange Hose, Fleece- oder Softshelljacke, Regenzeug, Badehose und eventuell leichte dünne Badelatschen gegen die unfreiwillige Zucht von Edelpilzen nach dem Besuch der Campingplatzdusche. Mein persönliches Maß ist, dass die Kleidung (plus Kulturbeutel und Handtuch) entweder in eine hintere oder in beide vordere Taschen passen soll, ohne zu sehr gestopft zu werden, also maximal 20 Liter Packvolumen einnimmt.

Waschzeug und Reiseapotheke. Ich werde nun sicher nicht anfangen, an Rasierpinsel und Zahnbürste die Haare zu kürzen, auch der Griff der Zahnbürste bleibt so lang, wie er ist. Aber auf eine zweiwöchige Reise eine große Tube Zahnpasta mitzunehmen, bringt nicht viel. Entweder greife ich zu den kleinen Probiergrößen, die es in jedem Drogeriemarkt gibt, oder man teilt sich halt, wenn man zu mehreren radelt, eine normale Tube. Ansonsten habe ich eine kleine Flasche 2-in-1-Shampoo und eine Haarbürste dabei (kürzerhaarige können darauf auch verzichten), zur Körperwäsche bin ich absoluter Kernseifefan. Die gibt es mit leichtem Zitronenduft und taugt auch als Rasierseife und zum Wäschewaschen. Ein 125g-Stück reicht mir bei täglichem Duschen und Rasieren sowie Wäschewaschen alle 2-3 Tage für etwa drei Wochen. Als Deo benutze ich einen Deokristall in der kleinsten Verkaufsgröße. Die Reiseapotheke besteht bei mir aus ein paar Pflastern verschiedener Größen, einer Kompresse, einer Mullbinde, einem Dreieckstuch, ein paar Tabletten gegen Kopfschmerzen und Fieber (z.B. Paracetamol), etwas gegen Durchfall (z.B. Loperamid), etwas zur Wunddesinfektion (da gibt es sehr kleine handliche Größen in der Apotheke), etwas gegen Mücken (gute Erfahrungen machte ich mit der preiswerten Lotion „squito-free“ von dm, die mich von Flaschendesign und Inhaltsangabe verdächtig an das wesentlich teurere Autan Family Care erinnerte und in Schweden bestens funktionierte. Gibt es bei dm auch in kleiner Probiergröße) und gegen alle Arten von Entzündungen einige Zentiliter Synthol liquide (gibt es leider nur in Frankreich, da aber rezeptfrei in jeder Apotheke). Dazu noch ein kleines Fläschchen eines Mittels zur Trinkwasserentkeimung. Mein persönliches Maximalmaß ist, dass Hygiene und Apotheke platzmäßig in meinen aufhängbaren Kulturbeutel passen müssen (wobei ich die „Apotheke“ dann wiederum ins Dreieckstuch wickle und woanders im Gepäck verstaue, denn wie gut Pflaster noch kleben, wenn sie erst ein paar Mal von der Dusche mit Wasser besprenkelt wurden, kann man sich ja vorstellen). Als Handtuch benutze ich einh Microfaser-Handtuch, das hat ein sehr geringes Packmaß und Gewicht und nimmt mindestens genausoviel Wasser auf wie ein normales Duschhandtuch.

Küche: Woraus die bei mir besteht und worauf ich achte, habe ich hier schon ausführlich dargestellt. Als Maximalmaß gilt für mich wie bei der Kleidung: 20 Liter, also eine Hinter- oder beide Vordertaschen, wobei in diesen 20 Litern auch der Platz für Lebensmittelvorräte und den Kocherbrennstoff enthalten ist.

Was den Verbrauch in Bad und Küche angeht, habe ich hier ein paar Erfahrungswerte zusammengefasst.

Ersatzteile, Werkzeug, Kleinkram: Welche Ersatzteile und welches Werkzeug man benötigt, hängt natürlich ganz stark davon ab, in welcher Gegend man radelt und wie die eigenen Kenntnisse bei der Fahrradreparatur sind. Bei einer Deutschlanddurchradelung muss man sicher keine drei Ersatzreifen mitnehmen, wo es doch alle paar Kilometer Fahrradgeschäfte gibt – bei einer Andenüberquerung können die Ersatzreifen sinnvoll sein. Auch das Werkzeug sollte sich an den Ersatzteilen orientieren. Wozu brauche ich einen Abzieher für das Ritzelpaket, wenn ich keines dabei habe? Wenn ich unterwegs eines kaufen muss, dann wohl im Fahrradladen, und der hat dann auch das passende Werkzeug. Und wenn man – so wie ich – keine Ahnung hat, wie man ein Spezialwerkzeug einsetzt, dann nützt es auch wenig, es mitzunehmen. Als sinnvoll erachte ich auf jeden Fall einen Ersatzschlauch, einen Ersatz-Brems- und Schaltungszug (die längere Variante, die kann man notfalls leichter kürzen als die kurze Variante langziehen), Flickzeug, eine Luftpumpe, ein Multitool plus Schweizer Taschenmesser, etwas Kettenöl, Reifenheber – eben was man braucht, um einen Platten schnell zu beheben, einen gerissenen Zug zu ersetzen und lose Schrauben nachzuziehen. Für eventuell nötige Improvisationen und Notreparaturen bis zur nächsten Werkstatt noch eine kleine Rolle Gewebeklebeband und ein paar Kabelbinder und gegen Ölfinger ein paar Einweghandschuhe (oder dünne Arbeitshandschuhe). Was man sonst noch so an „Kleinkram“ mitnehmen will, hängt natürlich von jedem einzelnen ab. Aber ein Schreibheft (oder Block) und ein Stift sind sicher kein Fehler, wer nicht allein radelt, nimmt vielleicht auch ein Kartenspiel mit, Fotoapparat, Mobiltelefon, eventuell MP3-Player (an Ladegerät bzw. Ersatzbatterien denken!). Als „Kleinkram-Obergrenze“ gilt für mich: 10 Liter, also eine Front- oder eine halbe Hecktasche.

Zelt, Isomatte, Schlafsack habe ich schon ausführlicher behandelt. Dass man auf dem Rad seltenst ein Hauszelt mitnimmt, leuchtet wohl ein – wobei ein großes Zelt, wenn man es auf drei oder vier Radler verteilen kann, unter Umständen pro Radler kleiner und leichter ist als eine Dackelgarage pro Nase. Packmaß und Gewicht des Schlafsacks hängen natürlich nicht nur vom Preis, sondern auch von dem Wetter am Reiseort ab. Für Mitteleuropa im Sommer braucht man einfach weniger Isolation (und damit in der Regel Material) als für Nepal im Winter. Gleiches gilt für die Isomatte. Mein Pack-Limit für Zelt, Isomatte und Schlafsack zusammen ist der 35-Liter-Packsack von Ortlieb, wobei da dann noch zusätzlich eine Schutzplane für den Zeltboden, die Wäscheleine und ein paar Wäscheklammern passen. Ob die Plane nötig ist oder nicht, ist fraglich, aber ich denke, dass man mit ihr die Lebensdauer des Zeltbodens deutlich erhöhen kann. Auch ist die Plane nach einer Nacht im Matsch leichter zu reinigen als das Innenzelt.

Wer nun mitgerechnet hat, stellt fest, dass da bei zwei Hecktaschen, zwei Fronttaschen, Packsack noch Platz übrig ist und die Lenkertasche noch gar nicht erwähnt wurde. Stimmt, denn erstens sind meine selbstgesetzten Limits selbst für mich nie so ganz verbindlich, zweitens kann man so etwas lockerer packen und hat auch mehr Spielraum, wenn es an die optimale Gewichtsverteilung (2/3 hinten, 1/3 vorne) geht oder wenn man doch ein paar Lebensmittel mehr oder etwas mehr Trinkwasser mitnehmen will. Auch bin ich kein Freund von derart eng gepackten Taschen, dass man schon fast einen Lageplan braucht. Erstens halte ich diese Ursprungsordnung ohnehin nicht lange durch, und zweitens kann man so immer noch stopfen, falls eine Tasche aus welchem Grund auch immer unbrauchbar würde.

Meinereiner wiegt zusammen mit dem Fahrrad knapp über 100kg. Ob da nun 15 oder 25 kg Gepäck dazukommen, macht selbst bergauf keinen riesigen Unterschied mehr – und in der Ebene ist das Gewicht sowieso nicht ganz so entscheidend, dank der Masseträgheit (was rollt, das rollt).

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