Daune oder Kunstfaser?


Bei der heutigen Auswahl an Schlafsäcken kann man fast verzweifeln. Füllungsmaterial, Schlafsackform, Material der Hülle – alles scheint es in zig Varianten zu geben. Ich versuche, einen groben Überblick zu verschaffen:

Um eines deutlich zu machen: den perfekten Schlafsack gibt es nicht – sonmst gäbe es nicht so viele grundverschiedene Modelle. Bestenfalls kannst Du dich für den Schlafsack entscheiden, der für Dich am geeignetesten ist.

Form:
Die meisten Schlafsäcke sind mumienförmig, rechteckig (so genannte Deckenschlafsäcke) oder eiförmig.
Die Mumienform bedeutet eine recht kleine Luftmenge um den Körper herum, man friert also weniger als in gleich isolierten Deckenschlafsäcken. Allerdings fühlen sich manche Menschen im Mumienschlafsack eingeengt, da er wenig Bewegungsfreiheit bietet.
Das genaue Gegenteil ist beim Deckenschlafsack der Fall – groß, bequem, aber im Zweifelsfall ist es drinnen schnell kalt. Dafür lässt sich der Deckenschlafsack meist auch am Fußende ganz öffnen und als große Decke auseinander klappen.
Einen Kompromiss zwischen Mumie und Decke stellt der eiförmige Schlafsack dar. Einerseits ist er speziell im Fußbereich, wo man meist zuerst friert, schön eng geschnitten, um gut warm zu halten, andererseits bietet er „Stramplern“ und auch stabiler gebauten Menschen in der Körpermitte deutlich mehr Platz als die Mumie.

Füllung:
Daunen bieten, wenn sie von guter Qualität sind, auch bei kleinem Packmaß und geringen Gewicht eine sehr gute Isolation. Mein eigener Daunenschlafsack, den ich auf den Radreisen nutze, ist eingepackt etwa so groß und so leicht wie ein Paket Toastbrot. Allerdings ist beim Daunenschlafsack zu beachten, dass aufgenommene Feuchtigkeit (Ausdünstungen beim Schlaf, Regen, hohe Luftfeuchtigkeit) wesentlich langsamer trocknet als beim Kunstfaserschlafsack. Es ist wichtig für eine lange Nutzungsdauer des Schlafsack, ihn immer gut lüften und trocknen zu lassen. Auch ist die Wärmedämmung eines feuchten Daunenschlafsacks deutlich geringer als die eines trockenen. Wer also das Pech hat, sich abends in einen nicht ganz trockenen Daunenschlafsack legen zu müssen, friert wohl recht schnell. Übrigens ist kein Daunenschlafsack ausschließlich mit Daunen gefüllt – ein gewisser Anteil an festeren „Stützfedern“ ist nötig, um das Material schön locker aufgebauscht zu halten. Und hier sparen auch die Billighersteller: während Spitzenmodelle einen Daunenanteil von 90% (bezogen auf das Gewicht der Füllung) haben, findet man auch welche mit nur 70% – oder die 90%-Angabe bezieht sich auf das Volumen statt auf das Gewicht. Also aufgepasst beim Kauf.
Schlafsäcke aus Kunstfasern sind bei gleicher Wärmedämmung immer noch größer und schwerer als daunengefüllte Schlafsäcke. Ihr Vorteil liegt in der schnellen Trockenzeit, da die Faser selbst keine Feuchtigkeit aufnimmt, und in der fast gleichbleibenden Wärmedämmung im feuchten Zustand. Wer häufiger in schlechtem Wetter unterwegs ist, wird sich daher wohl eher für die Kunstfaser entscheiden.
Während die ersten Kunstfasern stets so genannte Vollfasern waren, also „massiv“, werden heute fast ausschließlich Hohlfasern verwendet. Die sind leichter und biegsamer als Vollfasern, speichern viel Luft und trocknen sehr schnell. Allerdings gibt es große Qualitätsunterschiede – beim Schlafsackkauf solltest Du dich auf jeden Fall im Fachgeschäft beraten lassen. Nur wegen einmalig gesparter 50 Euro lohnt es sich sicher nicht, sich nachts über einen schlechten Schlafsack zu ärgern.

Die Hülle:
Wäre es nicht am einfachsten, einfach eine wasserdichte Hülle herzustellen, dann würde der Schlafsack auch nicht feucht? Leider falsch, denn der Mensch dünstet jede Nacht zwischen einem halben und einem ganzen Liter Wasser aus – und das muss ja irgendwie aus dem Schlafsack raus. Eine gewisse Atmungsfähigkeit ist daher ein Muss. Das Außenfutter ist dabei bei den meisten Schlafsäcken aus Nylon oder Polyester, im Innenfutter wird auch oft Baumwolle verwendet.
Je nach Hersteller wird die Außenhülle auch durch spezielle Nähtechniken (Rip-Stop) so gestaltet, dass ein Riss nicht unbegrenzt im Material weiterwandert, teilweise werden Microfaserstoffe verwendet, die einen recht guten Kompromiss zwischen „wasserdicht“ und „atmungsaktiv“ darstellen. Außerdem ist Microfaser auch so fein, dass keine Daune durchschlüpft – manche billiger hergestellten Daunenschlafsäcke lassen nämlich ganz schön Federn.

Kapuze, Wärmekragen:
Einen Großteil der Wärme verliert der Mensch über den Kopf. Dagegen helfen entweder lange Haare oder aber eine gute Kapuze und/oder ein Wärmekragen am Schlafsack. Während man beides in warmen Sommernächten nichgt unbedingt braucht, würde man es doch schmerzlich vermissen, wenn es nachts mal kühler wird. Die Kapuze sollte dabei mit Schnüren zugezogen werden können, um die Wärme wirklich zu halten. Unter einem Wärmekragen versteht man eine Art daunen- oder kunstfasergefüllter „Wurst“ auf Halshöhe, die ebenfalls mit Schnüren zugezogen werden kann (vor Erreichen der Atemnot bitte mit dem Zuziehen aufhören 😉 )

Reißverschlüsse:
Reißverschlüsse sind eine großartige Möglichkeit für den Hersteller, ein paar Cent zu sparen, ohne dass es den meisten Kunden im Laden auffällt. Zum einen muss der Reißverschluss stabil sein (das lässt sich mit einem prüfenden Auge im Laden ganz gut durch Probieren feststellen). Zum anderen dringt durch die Reißverschlüsse Kälte nach innen (oder Wärme nach außen, je nach Blickwinkel). Deshalb ist es sinnvoll, wenn über dem Reißverschluss eine überlappende „Stoffleiste“ angenäht ist – wenn die auch noch etwas versteift ist, zwickt man sie auch nicht bei jedem Benutzen des Reißverschlusses ein.
Wer auf Zwei-Wege-Reißverschlüsse achtet, kann in warmen Sommernächten den Reißverschluss auch von unten her öffnen, um die qualmenden Füße abzukühlen. Auch sollten sich Schieber sowohl innen als auch außen befinden, damit man sich nicht ständig verrenken muss, wenn man den Reißverschluss öffnet oder schließt.

Kältebrücken:
Neben dem Reißverschluss kann ein schlecht konstruierter Schlafsack weitere Kältebrücken haben, also Stellen, an denen die Wärmedämmung schlecht ist und Kälte durchdringt.
Dass der Schlafsack in Kammern unterteilt sein muss, leuchtet ein – sonst würde die gesamte Füllung nach kurzer Zeit zwischen Innen- und Außenfutter an ein Ende des Schlafsacks rutschen. Dort wäre es dann allerdings sicher mollig warm! Würde man den Schlafsack nun einfach in Quadrate absteppen (wie bei der einfachen Steppdecke daheim), wäre jede Naht eine Kältebrücke, da sich dort Innen- und Außenhülle direkt berühren würden. Man konstruiert daher Innenkammern mit „Stegen“ zwischen Innen- und Außenfutter, die entweder V-förmig gegeneinander, trapezförmig oder dachziegelartig angeordnet sein können. Auf diese Weise überlappen immer mehrere Kammern einander und überall ist Isolation vorhanden.

Innentaschen:
sollten in jedem Schlafsack vorhanden sein – je nach Situation für Geld und Papiere oder einfach nur für Taschentücher.

Packsack:
gehört dazu, um den Schlafsack platzsparend zu transportieren. Den Schlafsack in den Packsack zu „stopfen“ geht übrigens fast bei jedem Modell besser als ihn zu rollen und schadet dem Material keineswegs. Manche Packsäcke sind noch mit angenähten Kompressionsriemen versehen, um das Packmaß nach dem Einpacken noch etwas zu verkleinern – dafür fällt der tägliche Kampf mit dem Packsack unter Umständen etwas länger aus als beim „normalen“ Packsack.

Auf jeden Fall solltest Du den Schlafsack im Laden ansehen und ausprobieren und dich fachkundig beraten lassen.

Auf jeden Fall solltest Du noch ein paar Euro und etwas „Gepäckraum“ in einen Innenschlafsack, auch Inlett genannt, investieren. Sinn und Zweck dessen ist, dass der Schlafsack wesentlich länger sauber bleibt, wenn Du zuerst ins Inlett schwitzt – und seltenere Reinigung schont Schlafsack und Geldbeutel gleichermaßen. Inletts gibt es in der edelsten Variante aus Seide, für den Winter aus Fleece (wo sie gleich noch die Wärmedämmung verbessern), oder man nimmt einen so genannten Jugendherbergsschlafsack – hier ist zum Beispiel ein einfaches Modell, quasi eine Baumwolltasche in Bettdeckengröße, in die man hineinschlüpft und die man auch unterwegs schnell mal waschen kann.

Daheim ist das Inlett übrigens auch sehr praktisch, um Schlafsack und Isomatte vor Staub zu schützen – ich lege daheim beides aufeinander in das Inlett und schiebe das ganze unters Bett – so bleiben Schlafsack und Isomatte locker-luftig und stauben trotzdem nicht ein.

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