28.01.2012 – Zelt oder Rad unbewacht lassen? 1


48zwoelf-Leser Mark hat mir eine interessante Frage per e-Mail gestellt. Da ich denke, dass die Antwort nicht nur für ihn interessant sein könnte, erlaube ich mir, hier in aller Öffentlichkeit zu antworten.

Mark möchte wissen:

„Wie ist das eigentlich auf Campingtouren: wenn du wild gezeltet haben solltest;) hast du da bei Tagestouren dein Zelt (unbeaufsichtigt) stehen lassen?
Dieselbe Frage habe ich für Campingplätze…
Kann man da sein Zelt incl. Schlafsack und Utensilien bedenkenlos liegen lassen, wenn man in die Berge wandern geht? Denke schon, dass da eine Aufsicht oder so ist. Wie hast du das gemacht?“

Gute Frage – und es betrifft ja schlussendlich nicht nur das faltbare Schlafzimmer, sondern je nachdem, wohin man fährt, auch das Gepäck am Rad.

Beim Wildzelten würde ich das Zelt morgens abbauen. Ich orientiere mich da an der einfachen Formel, mit der das skandinavische Jedermannsrecht beschrieben wird: „Leave nothing but footprints“ – also: „Hinterlasse nichts außer Fußspuren“. Weniger wegen der Angst vor Diebstahl, sondern weil in Ländern, in denen das Zelten in freier Natur gestattet ist (also hauptsächlich Skandinavien), meistens auf eine Nacht beschränkt ist (wobei ich nicht denke, dass man ernsthaft Ärger bekäme, wenn man zwei Nächte an einem schönen Platz bliebe, so lange man die Natur nicht schädigt und niemanden stört). In Ländern, in denen das Wildzelten nicht erlaubt ist, würde ich es ebenfalls morgens abbauen – man muss ja nicht unnötigerweise schlafende Hunde wecken.

Zudem könnte ein verlassenes Zelt mit Schlafsack und Isomatte, eventuell noch mit Kocher, eine große Attraktion auf Obdachlose ausüben – und denen könnte ich es noch nicht einmal wirklich verübeln, wenn sie sich bedienten, um ihre eigene Wohnsituation zu verbessern. Wobei dieses Risiko vermutlich in der Nähe größerer Städte höher sein dürfte als mitten in der Natur.

Desweiteren bietet ein mitgenommenes Zelt den Vorteil, dass man kurzfristig seine Pläne ändern und bei Lust und Laune die kommende Nacht an einem anderen Ort verbringen kann.

Auf Campingplätzen ist das anders. Hier habe ich noch nie Bedenken gehabt, mein Zelt inklusive Isomatte und Schlafsack tagsüber stehen zu lassen. Bislang wurde auch noch nie etwas gestohlen. Ich denke, dass die überwältigende Mehrheit der Camper ehrliche Menschen ist und dass man als Radreisender auch nicht so superreich erscheint – wer Wertgegenstände entwenden will, wird auf Campingplätzen sicher in dem einen oder anderen Luxus-Wohnmobil eher fündig. Und teure, leicht stehlbare Dinge wie die Reisekasse oder die Kamera habe ich auf Tagesausflügen ohnehin bei mir.

Ähnlich halte ich es mit dem vollbepackten Rad. Leicht entfernbares – wie das GPS-Gerät und die Lenkertasche mit Kamera und Geldbeutel – kommen mit mir, der Rest ist für Gelegenheitsdiebe sicher zu unhandlich und auffällig. Wo ich etwas besichtige, kann man oft das Rad in Sichtweite eines Eintrittshäuschens abstellen und oft ist der dort Sitzende so freundlich, ein Auge aufs Rad zu werfen. In der freien Natur hatte ich bislang ebenfalls das Glück, nicht auf Diebe zu stoßen. Das einzige, was mir je vom Rad gestohlen wurde, war einmal eine 1-Euro-50-Plastik-Trinkflasche. Und das war nicht auf einer Reise, sondern bei einem Schwimmbadbesuch (und wenn meine Vermutung, dass der „Diebstahl“ ein pubertärer Versuch war, mich unbekannterweise zu ärgern, so sei dem „Täter“ hier gesagt: hat nicht recht geklappt 🙂 ).

Es ist klar, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gegen Diebstahl gibt. Wenn jemand etwas von meinen Sachen haben will, dann findet er mit recht großer Wahrscheinlichkeit einen Weg, daran zu gelangen. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und Bauchgefühl kann man aber, denke ich, das Risiko realistisch einschätzen. Käme ich beispielsweise in die Verlegenheit, in Hauptbahnhofnähe einer Großstadt mit aktiver Drogen-und-Bettler-Szene mein bepacktes Rad verlassen zu müssen, so würde ich wahrscheinlich mein Gepäck in ein Schließfach stecken oder mir den Dienst der Gepäckaufbewahrung leisten und das Rad noch ein paar Blocks entfernt irgendwo anschließen. Bei der Besichtigung eines Klosters in den Bergen wäre dies vielleicht übertrieben.

Einen interessanten Weg, um Diebstahl des Fahrrades zu vermeiden, schlägt Andreas Borutta ein: er sorgt durch gezielte kosmetische Verschandelung aller Fahrradteile dafür, dass sich kein Dieb interessiert. Wie das in Radlerkreisen inzwischen nach ihm benannte „boruttisieren“ im einzelnen funktioniert, liest Du hier auf seiner Homepage. Und mir fallen da analog auch einige Dinge zum Zelt ein: „flickt“ man sein Außenzelt in Bodennähe vielleicht mit zwei, drei gut sichtbaren Streifen Gewebeklebeband und „repariert“ man vielleicht Abspannleinen an einigen Stellen mit anderer Schnur oder Pflaster, wird das Zelt möglicherweise ebenfalls uninteressanter für Diebe als ein „unbeschädigtes“.

Mark, ich hoffe, Dir mit dieser Antwort geholfen zu haben.

Viel Spaß auf Deinen Touren!


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