31.08.2011 – Vergleich Kettenschaltung gegen Rohloff



Nachdem ich im Frühjahr mit der unhaltbaren Situation konfrontiert wurde, überschüssiges Geld daheim herumliegen zu wissen, habe ich den Antrieb meines Drahtesels umrüsten lassen: die 21-Gang-Shimano-Kettenschaltung musste einer Rohloff Speedhub 500/14, einer 14-Gang-Nabenschaltung weichen.

Ist es nicht schlecht, die Zahl der Gänge zu reduzieren? Keineswegs: denn wenn man sich die Mühe macht, für jede der möglichen 21 Gangkombinationen der Kettenschaltung die Gesamtübersetzung auszurechnen, stellt man fest, dass einige der Gänge so dicht beieinander liegen, dass der Unterschied kaum spürbar sein dürfte. Betrachtet man diese „doppelten“ Gänge als nur einen Gang und klammert dann noch die Kombinationen aus, die man nie schaltet (weil die Kette extrem schräg laufen würde, wenn man beispielsweise vorne und hinten jeweils auf das größte Zahnrad schaltete), kommt man recht schnell zu dem Schluss, dass die 21-Gang-Kettenschaltung gerade mal 9 oder 10 „echte“ Gänge bietet. Die 14 Gänge der Rohloff hingegen sind gleichmäßig abgestuft, sodass der Umstieg bewirkt, dass künftig sowohl bessere Berggänge als auch höher übersetzte „Geschwindigkeitsstufen“ zur Verfügung stehen.

Die Kosten für die Umrüstung schrecken natürlich zunächst ab. Bei mir kostete die Umrüstung – inklusive neuem Laufrad und allem, was sonst noch ersetzt werden musste – knapp unter 1100 Euro. Ein Haufen Geld. Andererseits war meine Kettenschaltung recht verschleißstark – für neue Ketten, Kassetten und Kettenblätter habe ich in den letzten sechseinhalb Jahren auch schon fast 800 Euro investiert. Da jedoch bei der Nabenschaltung die Kette immer schön gerade läuft und nicht von der Schaltung seitlich bewegt wird, sind diese Teile nun deutlich verschleißärmer – das Ritzel ist von Rohloff sogar als Wenderitzel ausgelegt, d.h. wenn die Zähne abgenutzt sind, wird es abmontiert, auf die andere Seite gedreht und erneut angeschraubt. Es hat quasi ein zweites Leben. Und da die Nabe an sich durchaus eine Lebensdauer im deutlich sechsstelligen Kilometerbereich hat – wie zahlreiche Berichte von ausgesprochenen Langstreckenradlern bestätigen – wird sich die Investition langfristig bezahlt machen

So nun, und wie fährt sich die Schaltung? Um dies festzustellen, habe ich vor und nach dem Umbau dieselbe bergige Tagestour auf den Odilienberg unternommen. Es stimmt tatsächlich, dass tiefere Untersetzungen als bei der Kettenschaltung zur Verfügung stehen – die extremen Steigungen waren spürbar leichter zu bewältigen. Es stimmt auch, dass im „Hochgeschwindigkeitsbereich“ mehr vorhanden ist als zuvor – selbst bei Abfahrten, die einen schon auf 50 km/h beschleunigen, ist noch bequemes Mittreten möglich – falls man das mal brauchen sollte 🙂

Den Komfortgewinn habe ich jedoch erst richtig in Norwegen gespürt. Dort habe ich mein vollbepacktes Rad bergauf zwar trotz Rohloff immer mal wieder geschoben, aber das lag eindeutig an meiner ausbaufähigen Kondition und den doch sehr starken Steigungen vor Ort. Super angenehm war es jedoch, auch im Stand oder während dem Anstieg herunterschalten zu können. Sehr angenehm ist meines Erachtens auch, dass die Rohloff immer sauber schaltet – bei der Kettenschaltung hatte ich doch immer schon wenige Tage nach einer neuen Einstellung das fragwürdige Vergnügen, dass die Kette in einigen Gängen zu rasseln begann.

Fazit: ich bereue den Umbau kein bisschen!

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