27.06.2010 – von Spiekeroog nach Sande (ca. 65km auf dem Rad)


Frühes Aufstehen gegen 6 Uhr und ab an den Strand. Was soll ich sagen – Kevin findet seinen Schlüssel tatsächlich wieder. Nützt nur leider für das Fahrrad wenig, da ich das Schloss gestern zwar nicht knacken konnte, aber durch mein Herumgebohre den Schließzylinder immerhin so stark beschädigt bekommen habe, dass er keinen Schlüssel mehr annimmt 🙁 Pech gehabt…

Nach dem Duschen gehe ich zu Lars in der Hoffnung, dass er einen Bolzenschneider hat. Den hat er leider nicht, dafür gibt es frischen Kaffee. Mit dem kriege ich zwar das Schloss nicht auf, aber er tut definitiv gut. Und zufällig kommt einer der Inselbewohner, die gestern Fußball schauten, vorbei, erinnert sich an mich und bietet an, schwereres Werkzeug von zuhause zu holen.

Als der nette Herr zurückkommt, versuchen wir, dem Schloss mit einem schweren Hammer, einer weiteren Säge, einer großen Zange und einem meißelartigen Riesenschraubendreher zu Leibe zu rücken – erfolglos. Gegen Gelegenheitsdiebe ist man mit diesem Schloss definitiv geschützt!

Grübel, grübel und studier… Plan C ist dann (da Kevin das Schloss glücklicherweise nur durch den Rahmen, nicht aber durch ein Laufrad gezogen hat), den Bügelparker auszugraben und das Rad herunterzufädeln. Gesagt, getan. Mit den Händen schaufeln wir den lockeren Spiekerooger Boden einen guten Meter um die drei Pfosten herum heraus, verbreitern die Löcher noch etwas, da die Rohre des Parkers in einer Art Anker enden und hieven den Fahrradständer mit allen angeschlossenen Rädern aus der Erde. Dann schnell ein Fremdrad und Kevins Velo abgefädelt und das Fremdrad wieder einfädeln. Den Parker zurück in die Erde, allen Aushub ins Loch stopfen und festtreten. Geschafft 🙂 Das Fahrradschloss fixiere ich mit reichlich Panzertape, damit Kevin halbwegs bequem weiterradeln kann, und wie er das Schloss schlussendlich vom Rad bekommen wird, betrachte ich ehrlich gesagt nicht als mein Problem…

Durch die Aktion schaffen wir natürlich weder die 9-Uhr- noch die 10-Uhr-30-Fähre, sodass wir ebbebedingt bis 15:45 Uhr warten werden müssen. Das wiederum gibt uns ausreichend Zeit zum gemütlichen Frühstück, zum Packen und zu einem letzten Einkauf bei Lars – diesmal bin ich etwas schlauer und verstaue den Reibekäse, der die Soße heute abend verfeinern soll, unter dem Wasserbeutel, um ihn halbwegs kühl zu halten.

Die Überfahrt ist witzig, sie fällt genau in die Zeit des Anpfiffs des Fußballspiels Deutschland-England. Da zwar auf der Fähre ein Radio läuft, dieses aber recht leise eingestellt ist, stehen plötzlich einige Fans auf den Bänken und kleben mit einem Ohr an den Deckenlautsprechern 🙂 Die zweite Halbzeit können wir dann übrigens nach Ankunft recht vollständig im Café am Fährhafen sehen.

Danach geht das Radeln für heute los – zunächst geht es bei nettem Rückenwind nach Wittmund, dann belagern wir einen Bundesstraßenparkplatz und ich koche sterneverdächtige Pasta à la Trangia in heller Käsesoße.

Nach dem Essen suchen wir uns mit dem Navi den kürzesten Weg nach Amerika. Wie jetzt, Amerika? Jawohl, Amerika, Landkreis Friesland, schätzungsweise drei Häuser. Und weil es von dort nur etwa ein Kilometer ins ebenso kleine Rußland ist, ist dieser Abstecher natürlich ein Muss. Wann hat man schließlich schon mal die Gelegenheit, wahrheitsgemäß sagen zu können, dass man nach dem Abendessen mal eben schnell von Amerika nach Rußland geradelt ist?

Als wir unsere Amerika-Rußland-Tour geschafft haben, orientieren wir uns wieder in Richtung Sande, von wo wir morgen früh per Zug zurück nach Bassum fahren wollen. Wir erreichen Sande mit der letzten Dämmerung, um festzustellen, dass der nächste Zug in unserer Richtung morgen früh um kurz vor fünf Uhr morgens abfährt. Der Bahnhof Sande liegt ziemlich außerhalb in einem Industriegebiet, zum nächsten Zeltplatz wären es noch gut 15km, was bedeuten würde: eine Stunde hin, eine Stunde zurück, eine halbe Stunde Zeltauf- und -abbau, da würden dann auch nur noch zwei, drei Stunden Schlaf übrig bleiben. Also legen wir uns stilvoll mit unseren Schlafsäcken auf zwei Bänke am Bahnhof – très chic! Um das Bild zu vervollständigen, fehlt eigentlich nur eine offene Dose Paderborner Pils oder ähnliches – aber das haben wir leider nicht dabei 🙂


Radroute 570651 – powered by Bikemap 

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