12.08.2006 – radloser Touritag in Plzen


Nach Aufstehen und Altbausanierung, pardon, Körperpflege, fahre ich mit der Tram in die Stadt. Im Lebensmittelladen kaufe ich mir Frühstück, zigarettentechnisch probiere ich mich zu immer billigeren Marken durch, inzwischen bin ich bei der Geschmacksrichtung „Flokati Feinschnitt“ angelangt.
Als erstes begebe ich mich unter die Erde, in Plzeňs historischen Untergrund. Die Stadt ist mit einem über 17 km langen Gängesystem unterkellert, zumeist dreigeschossig, wobei das oberste Geschoss heute den Wohnhäusern als Keller dient und das unterste zur Entwässerung. Im mittleren herrscht eine konstante Temperatur von 10°C bei 90% Luftfeuchtigkeit, es gibt zahlreiche Brunnen. Die Gänge dienten in ihrer Geschichte sowohl als Lager als auch als Fluchtweg und Versteck. Die Führung war recht interessant.
Danach steige ich auf den Turm der St.-Bartholomäus-Kathedrale und genieße die schöne Aussicht.
Als ich wieder unten bin, spaziere ich gemütlich die 2 Kilometer zum Zoo hinaus. Dieser ist nicht so riesig, aber wunderschön, meistens werden mehrere Tierarten, die auch in der Natur zusammenleben, in einem Gehege gehalten.
Nachdem ich mich zum Abschluss des Zoobesuchs noch mit bramboričky i zelí, Kartoffelpuffern mit Weißkraut, gestärkt habe, gehe ich zurück ins Zentrum und gönne mir einen Besuch im Biermuseum der bekannten Brauerei „Pilsner Urquell“. Auch das Biermuseum war hochinteressant. Danach esse ich ein Häppchen an einem nahe gelegenen Asia-Imbiss und beschließe spontan, da es noch früh am Nachmittag ist, nach Prag zu fahren und dort den Abend zu verbringen. Auf zum Bahnhof, Fahrkarte kaufen, und in den nächsten Zug nach Prag gesetzt. 90 Minuten dauert die Fahrt.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht so genau, was ich mir von Prag erwartet habe. Ich war das letzte Mal 1991 dort – im zarten Alter von 13 Jahren. Damals fand ich die Stadt beeindruckend und schön, aber dennoch ziemlich ruhig, fast ein bisschen verschlafen. Dem ist heute nicht mehr ganz so. Ich steige aus dem Zug und werde von einem hektischen Menschenstrom mitgerissen. Die Bahnhofshalle ist laut, überall blinkt und leuchtet Reklame für die im Gebäude ansässigen Geschäfte, Imbissstände, Casinos, Wechselstuben, Informationen und Sexshops, und ich habe zunächst wirklich Schwierigkeiten, einen Ausgang zu finden. Als ich den dann endlich gefunden habe, werde ich innerhalb von etwa zwei Minuten fünfmal angesprochen – dreimal, um mir Drogen zu verkaufen, zweimal, um meine sexuellen Bedürfnisse zu stillen; dies allerdings ebenfalls käuflich und zudem hetero: gleich zwei Tabus auf einmal, das geht nun wirklich nicht.
Ich verlasse das Gelände durch einen kleinen Park, laufe ziellos durch ein paar Straßen, sehe eine sehr schöne Synagoge, aber irgendwas hat diese Stadt an sich, dass ich mich sehr unwohl fühle. Ich gehe zurück zum Bahnhof, sehe erfreut, dass in einer knappen Viertelstunde ein Zug zurück nach Plzeň fährt, kaufe mir noch schnell irgendein batschsüßes Getränk, dessen Hersteller mir weismachen will, es schmecke nach Orange und Grapefruit, setze mich in den Zug und fahre zurück. In Plzeň trinke ich dann noch zu Ehren des Schutzpatrons der Brauer, des Hl. Gambrinus, ein gleichnamiges Bier und mache mich zurück auf den Weg zum Campingplatz.

55 - Plzen

56 - Plzen von oben

57 - Plzen von oben

58 - Plzen von oben

59 - im Zoo Plzen

60 - im Zoo Plzen

61 - alles korrekt beschildert

62 - im Brauereimuseum

63 - Prag Synagoge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

fünfzehn − dreizehn =