11.08.2006 – von Nepomuk nach Plzen


Bin ich so kaputt von den Bergen oder war das dritte Bier gestern abend vielleicht doch etwas zu viel? Vermutlich etwas von beidem. Der Radführer empfiehlt einen 47 km langen Weg nach Plzeň, die Straße Nummer 20 würde mich in 36 km dorthin bringen. Ich beschließe, heute, so faul, wie ich bin, den kürzeren, wenn auch verkehrsreicheren Weg zu wählen. Nachdem ich gefrühstückt und den Atlas zur Post gebracht habe, radle ich los. Die Straße hügelt munter vor sich hin, der Verkehr ist erträglich, nimmt aber Richtung Plzeň stetig zu. Wobei mir auffällt, dass die Einheimischen sich den Radfahrern gegenüber sehr rücksichtsvoll verhalten, knapp überholt wird man eigentlich nur von Touristen, am schlimmsten unter ihnen die Wohnwagengespanne, denen merkt man deutlich an, dass sie normalerweise keine Züge dieser Breite fahren.
Deshalb freue ich mich auch zunächst, als die Straße kurz vor Plzeň vierspurig wird und eine Randspur bekommt. Nach kurzer Freude stoße ich auf ein autobahnkreuzähnliches Gebilde, wo auf die zwei bestehenden Spuren noch zwei weitere von links und eine von rechts münden, es geht abwärts, ich mit knapp 45 km/h mittendrin, überall Autos, und ich muss auch noch ganz rechts rüber, da gleich danach die Ausfahrt „Centrum“ kommt. Radfahren ist hier übrigens weiterhin erlaubt! Ich fahre Richtung Centrum, frage mich in meinem unvergleichlichen Tschechisch zu dem Campingplatz durch, fahre durch ein Industriegebiet und stoße auf den Campingplatz „Ostende“, absolut westliches Niveau, leider auch preislich: 380 kč für zwei Nächte – das ist mehr als doppelt so viel als bisher. Duschen: die fast üblichen 20 kč, dafür gibt es aber über 8 Minuten lang Warmwasser. Aber es gibt hier eine Waschmaschine, die ich sogleich benutze: einen für mich ungewohnten Toploader der Traditionsmarke „Tatramat“. Ich fülle die Maschine und bin dankbar für die idiotensichere Kurzanleitung auf Englisch „short wash: left knob to ‚B‘, right knob: temperature, close machine and press ONLY the left button“. Klappt tatsächlich – und eine Steckdose zum Handyladen ist auch noch frei. Die Maschine wäscht, ich schließe den Raum wieder und sehe mich auf dem Platz um. Alles sehr gepflegt und sauber. Während der Wäsche trinke ich zwei Kaffee auf der Terrasse des Platzrestaurants und genieße die Sonne. Nach einer knappen Stunde gehe ich zurück in den Waschmaschinenraum. Nach dem Waschen will ich mit der Straßenbahn ins Zentrum. Von der im Schleudergang wild hüpfenden Maschine, die durch einen alten Autoreifen von der Wand abgefedert wird, fühle ich mich leicht angegriffen; ich nehme meine Wäsche, hänge sie auf, bringe den Schlüssel zurück und bezahle die Maschinenbenutzung. Dann gehe ich zur Tram und fahre zum naméšti republicky, dem Republikplatz, Zentrum Plzeňs und Böhmens größter Marktplatz (193 x 193 Meter), wobei die große St.-Bartholomäus-Kirche relativ viel Platz davon einnimmt, außerdem ist der halbe Platz wegen Bauarbeiten gesperrt. Schön sind auch die umliegenden Häuser. Auch sonst gibt es wohl einiges zu sehen in Plzeň. Das werde ich mir morgen in Ruhe anschauen. Da ich nach Möglichkeit auch Prag sehen möchte, spaziere ich zum Bahnhof und erfahre, dass eine Rückfahrkarte nach Praha und zurück nur 163 kč kostet. Nach einem kurzen Besuch wegen Regens in einem Internetcafé (die Regenjacke liegt natürlich im Zelt) setzte ich mich auf dem Marktplatz auf eine Bank, wo auf einer mobilen Bühne eine Jazzband recht schöne Musik macht. Später spaziere ich kreuz und quer durch die Innenstadt und setze mich später in ein gemütliches Restaurant, wo ich zu meinem Pilsner Urquell eine großartig zubereitete Forelle mit Kartoffeln esse. Später fahre ich mit der Tram zurück und lege mich schlafen. Ein fauler Tag geht zu Ende – na ja, halbfaul, immerhin waren es doch 50 Kilometer auf dem Rad.

41 - unterwegs nach Plzen

42 - nicht mehr weit

43 - Plzen Dom

44 - Plzen Pestsaeule

45 - Plzen Marktplatz

46 - Plzen

47 - Plzen

48 - Plzen

49 - Plzen

50 - Plzen Hauptbahnhof

51 - Plzen Synagoge

52 - Plzen

53 - Plzen

54 - Plzen

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