06.08.2006 – die Anreise per Bahn nach Furth im Wald


Auf gehts! Da Fahrradabteile zumindest in älteren Zügen ja ab und zu die tolle Eigenschaft haben, nur über einen 40 cm schmalen Einstieg mit mindestens einem Meter Höhendifferenz erreichbar zu sein, und mein Fahrrad durch das ganze Gepäck nicht gerade schmal oder leicht ist, spare ich mir den ersten Umstieg und radle von daheim die 16 Kilometer bis Appenweier – zugleich eine gute Gelegenheit zu testen, ob das Gewicht halbwegs gut am Rad verteilt ist. Es nieselt leicht, die Temperaturen fühlen sich gar nicht nach August an – ist ja ein prima Einstieg. Irgendwas stimmt aber nicht, die Lenkung ist instabil und recht wackelig. Sieht für mich so aus, als sei vorne der Schwerpunkt zu hoch. Am Appenweirer Bahnhof packe ich also um – das Werkzeug verschwindet nach unten in eine der Packtaschen und die Lenkertasche wird auch noch nach unten hin etwas entlastet – und der Fotorucksack wandert auf den Rücken. Kurze Probefahrt: viel besser. Am Bahnhof noch schnell ein obligatorisches „Los gehts“-Foto unter dem Bahnhofsschild und schon kommt der Zug. Dieser fährt von Konstanz nach Karlsruhe, und da der Bodensee bei Radlern recht beliebt ist und es Sonntag ist, ist der erste Fahrradwagen rappelvoll, im zweiten gibt es noch ein kleines Restchen Platz, das bis zu meinem Eintreffen eine Art Durchgang gewesen sein dürfte. Ich stelle mich also neben mein Velo, halte es fest und hieve es irgendwie zur Seite, wenn jemand durch möchte. Auffallend oft möchte ein junger Mann an mir durch, der um den Hals ein regenbogenfarbenes Schlüsselband mit dem Aufdruck „100% Single!“ trägt und mich nach einem wissenden Blick auf den Regenbogenaufkleber an meinem Fahrrad anblinzelgrinst – sorry, Junge, bist absolut nicht mein Typ!
Der Ausstieg in Karlsruhe geht ruckzuck, denn jeder hilft jedem. Vor dem Lift drängt sich eine Menschenmenge, aber es geht dennoch schnell. Dafür bekomme ich dann beim Aufstieg zu Gleis 11 eine ungefähre Ahnung vom Gewicht meines Reisefahrzeugs, denn dort gibt es noch keinen Aufzug. Ich freue mich auf den ebenen Kopfbahnhof in Stuttgart. Und der Zug dorthin ist auch nicht so überlaufen mit Radlern, der Einstieg breit und eben, perfekt. So kann es weitergehen. Da stören mich auch die 1:40 Stunden Wartezeit in Stuttgart nicht mehr so sehr, zur Entschädigung geht es danach ohne Umstieg durch bis Nürnberg.
Stuttgart – klarer Fall von „zu früh gefreut“. Aussteigen, schon mal zu Gleis 16 gewechselt (rechtzeitiges Erscheinen sichert bekanntlich die besten Plätze für Rad und Radler) und brav auf die Ankunft des Zuges gewartet. Zwanzig Minuten vor Abfahrt erscheint dann die Abfahrtsanzeige – zusammen mit den Worten, die man als Radreisender mit der Bahn wohl am wenigsten gebrauchen kann: „Schienenersatzverkehr von Crailsheim bis Nürnberg“ – eine schöne Umschreibung für einen Pendelbus ohne Fahrradmitnahme. Grund für das ganze ist übrigens eine Baustelle, die man unbedingt am Wochenende des Ferienbeginns in Baden-Württemberg einrichten musste. Also mit Sack und Pack auf zum Fahrkartenschalter, pardon, zum DB Service Point. Nach einer für die Länge der Warteschlange erstaunlich kurzen Zeit komme ich an die Reihe und schildere mein Problem. Man suchte, tippte und druckte mir dann die einzig sinnvolle Verbindung aus. Die geht dann ab 14.32 Uhr (statt wie geplant 12.40 Uhr) weiter und führt über Donauwörth und Regensburg nach Schwandorf, von wo aus ein Zug dann weiter nach Furth im Wald fährt. Ankunft dort statt kurz vor 18 Uhr um 21 Uhr. Na super. Von Furth ist es noch etwa eine halbe Stunde per Rad nach Babylon, meinem ersten geplanten Campingplatz – mal schauen, vielleicht unterbreche ich auch in Schwandorf oder übernachte in Furth. Das entscheide ich dann vor Ort. Zum Glück bin ich als Einzelreisender ohne Buchungen und feste Pläne ziemlich flexibel. Die Fahrt Stuttgart – Donauwörth verläuft problemlos. Fitnessfördernd die bauliche Situation in Donauwörth: kein Lift, kein Gepäckband und die steinernen Rillen am Treppenrand sind so schmal und so nahe an der Wand, dass sie nur sehr bedingt dazu taugen, den Transport meines Rades zu erleichtern. Momentan trage ich mich mit dem Gedanken, am ehesten in Furth zu campen, um dann morgen an einem etwas weiter südlich gelegenen Grenzübergang (bei Eschlkam) etwas später als geplant auf meine erste Etappe zu stoßen.Regensburg. Knappe Umsteigezeit in die Vogtlandbahn nach Schwandorf. Zwei Minuten vor Abfahrt wird eine Gleisänderung durchgesagt. Aber es klappt, ich erreiche die Bahn. In Schwandorf dann erstmal in einen falschen Zug gestiegen – auf einem verschlafenen Provinzbahnhof ist es offenbar tatsächlich nötig, zwei nahezu zeitgleich abfahrende Züge in verschiedene Richtungen vom selben Gleis abfahren zu lassen. Ich fahre bis Furth. Auf dem Weg dorthin ziehen schwarze Wolken auf und verdunkeln den Himmel. Ich bekomme eine SMS, dass in dem Gebiet, in dem ich mich aufhalte, Unwetter vorher gesagt seien. Danke, das baut doch auf. In Furth beschreibt mir ein Taxifahrer den Weg zum Campingplatz, auf dem Weg dorthin noch schnell an einer Tankstelle ein Bier zum Abendessen mitgenommen. Zeltaufbau im Dunkeln, ich bin gerade fertig, als leichter Regen einsetzt. Noch schnell den Gaskocher angeworfen – zum Abendessen gibt es heute Berglinsen aus meinem Trockenvorrat.

01 - alles gepackt
02 - auf gehts

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